Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, eine Karriere in der VR-Branche zu starten. Doch worauf sollte man dabei achten?
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Virtual Reality: Tipps zum Start in die VR-Selbstständigkeit

von VRODO13. Juli 2016

Gastbeitrag von Boris Reimelt

Virtual Reality wird unser Leben in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren einem großen Wandel unterwerfen, ähnlich wie es dem Internet oder Smartphones in den vergangenen zwei Jahrzehnten schon gelang. Diese Veränderungen entstehen durch neue Hard- und Software sowie vielfältige Dienstleistungen. Die vielbeachtete VR-Marktstudie von Goldman Sachs prognostiziert für die USA bis 2025 einen jährlichen Umsatz von 80 Miliarden US-Dollar mit VR/AR Hard- und Software.

Um solche Umsätze zu erreichen, werden zehntausende Arbeitsplätze in Entwicklung, Fertigung, Vertrieb und Support geschaffen. Um die Standardprodukte von Hard- und Software herum wird sich ein breiter Markt für Dienstleistungen und Lösungsangebote bilden. In der klassischen IT-Branche macht der Servicebereich etwa 30 Prozent des gesamten Marktvolumens aus. Hier können Gründer mit kreativen Lösungen am einfachsten Lücken besetzen, um sich eine selbstständige Existenz aufzubauen.

Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, eine Karriere in der VR-Branche zu starten. Zwar sind die Umsätze aktuell noch sehr bescheiden, aber wer beim Beginn des Hyperwachstums in einigen Jahren beruflich vorne mitwirken möchte, muss sich zum einen fachlich qualifizieren und zum anderen Netzwerke mit Kunden sowie Lieferanten aufbauen.

Gute Aussichten für Arbeitnehmer in der VR-Branche

Experten für Mediendesign im Web- oder Printbereich sind entgegen ihrem Wunsch oft gezwungen selbstständig zu arbeiten, da viele Aufgaben nur projektbezogen vergeben werden und der Markt ausreichend qualifiziertes Personal bietet. Mit der richtigen VR-Qualifikation (z.B. 3D-Modellierer oder Softwareentwickler Unity) wird es bald ein Leichtes sein, zwischen verschiedenen Arbeitgebern eine gut bezahlte Festanstellung auszuwählen. Je nach Erfahrung werden etwa 50.000 bis 100.000 Euro Jahresbruttogehalt gezahlt. Übrigens auch ohne passendes Studium. In solchen Positionen sind die reinen Fähigkeiten entscheidend.

Nicht jeder hat seine Stärken in einem der sehr technischen oder künstlerischen Bereiche, die eine gut bezahlte Festanstellung nahezu garantieren.

Es wird auch problemlos möglich sein, ins Ausland zu wechseln, da in einigen Jahren der Bedarf an guten Fachkräften in bestimmten Bereichen des Virtual-Reality-Marktes das Angebot auf dem Personalmarkt weit übersteigen wird. Das führt generell dazu, dass man relativ leicht den Arbeitgeber wechseln kann – sei es um mehr zu verdienen oder weil man in ein neues Umfeld möchte. Die Arbeit in der VR-Branche wird für lange Zeit sehr abwechslungsreich und spannend sein.

Was spricht für eine Selbstständigkeit?

Warum also die Risiken einer Selbstständigkeit auf sich nehmen? Nicht jeder hat seine Stärken in einem der sehr technischen oder künstlerischen Bereiche, die eine gut bezahlte Festanstellung nahezu garantieren. Marketing-Visionäre oder Support-Spezialisten sind bei weitem nicht so gefragt wie Softwareentwickler oder 3D-Designer. Selbst im bald boomenden Bereich des VR-Marktes wird nicht jeder Marketeer eine Anstellung finden und wenn dann mitunter für wenig Geld oder bei nicht optimalen Arbeitsbedingungen.

Hier ist der Weg in die Selbstständigkeit ein Mittel, um sich selbst eine gut bezahlte und erfüllende berufliche Heimat zu schaffen. Ein weiterer Grund, sich eine selbstständige Existenz aufzubauen, ist der unbedingte Drang, überdurchschnittlich selbstbestimmt zu arbeiten. Es gibt Menschen, denen ist es fast unmöglich, sich in vorgegebene Arbeitsabläufe oder Hierarchien einzuordnen. Der Weg in die Selbstständigkeit ist dann praktisch vorgezeichnet.

Ähnlich verhält es sich mit denjenigen, die unbedingt neue Produkte oder Lösungen entwickeln wollen, die für bestehende Unternehmen aber zu visionär und risikobehaftet sind. Diese Menschen haben gerade in der VR-Branche ein weites Spielfeld für viele Jahre. Eine weitere Motivation zur Selbstständigkeit kann durch außergewöhnliche finanzielle Chancen begründet werden. Auch hier hat die VR-Branche aufgrund von unbesetzten Märkten viel zu bieten. Natürlich kann die eigene Entscheidung auch eine Mischung aus den bisher genannten Gründen sein.

Sprung in die Selbstständigkeit: Worauf sollte man achten?

Wer sich in die Selbstständigkeit begibt, ist oft hohen Risiken ausgesetzt. Der Markt nimmt die Produkte nicht (mehr) an, Auftraggeber zahlen ihre Rechnungen nicht oder man wird mit unerwarteten Haftungsproblemen konfrontiert. Dazu muss man sich um administrative Dinge wie Steuer- oder Rechtsberatung kümmern, die zeitfressende Spaßbremsen ohne Mehrwert sind. Und der Weg aus der Selbstständigkeit zurück in ein Angestelltenverhältnis ist zwar möglich, aber in größeren deutschen Unternehmen oft schwierig umzusetzen, sofern man nicht über eine stark nachgefragte Qualifikation verfügt.

In eine Selbstständigkeit mit hohen Risiken sollte man nur starten, wenn man den unbedingten Willen hat, für einen langen Zeitraum sehr viel Zeit zu opfern.

Wer sich mit einem komplett neuen Thema – und bei Virtual Reality ist fast alles neu – selbstständig macht, sollte aufgehen in dem was er tut. Denn im Gegensatz zur Angestelltenlaufbahn, die ebenso stressbeladen sein kann, haben Unternehmer oft ein “wirtschaftliches Messer” an der Kehle: Wo kommt der nächste Auftrag her? In eine Selbstständigkeit mit hohen Risiken sollte man nur starten, wenn man den unbedingten Willen hat, für einen langen Zeitraum sehr viel Zeit zu opfern. Für viele Jungunternehmer bedeutet der Übergang eine Doppelbelastung, da sie mangels Kapital einen Zweitjob zum Geldverdienen brauchen.

Was sind die entscheidenden Kriterien für den wirtschaftlichen Erfolg einer Selbstständigkeit?

Das Wichtigste: Man braucht zahlende Kunden. Gerade bei neuen Konzepten – wie in der VR-Branche – ist dies aber im Vorfeld nicht immer realistisch zu prognostizieren. Hier sollte man zunächst mit kleinen Feldversuchen den Markt erkunden und die Angebote so lange verändern, bis sich der Erfolg oder die Einsicht über ein nicht marktfähiges Konzept einstellen. Ohne zahlende Kunden geht nichts. Der Kern aller Anstrengungen muss es sein, die Kunden zu verstehen und deren Bedürfnisse zu befriedigen.

“Wenn es überhaupt ein Rezept für den Erfolg gibt, besteht er darin, sich in die Lage anderer Menschen zu versetzen.” Arthur Schopenhauer

Hat man zahlende Kunden und ist auf einem guten Weg ein größeres Geschäft aufzubauen, stellt sich direkt die Frage nach der Absicherung des Geschäftsmodells. Gibt es Stammkunden? Kann man eine Marke aufbauen und den sich ergebenden Netzwerkeffekt nutzen? Oder besitzt man geistiges Eigentum (Hardware-Patente, Urheberschutz bei Software), mit dem man Nachahmer lizenzieren oder verklagen kann?

Keine Angst vor einem Fehlstart – die VR-Branche entsteht gerade erst

Ein großes Thema beim Weg in die Selbstständigkeit ist das Startkapital. Zum diesem Themenkreis finden sich im Internet sehr viele Informationen. Gute Einstiegspunkte sind zum Beispiel die Seiten von Gruenderszene oder die Gründerberatung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie.

Der Traum vieler Gründer ist es, nach Präsentation einer Geschäftsidee mit Businessplan von Businessangels oder Risikokapitalfirmen finanziell angeschoben zu werden. Rothenburg Ventures ist zum Beispiel ein Unternehmen, das einen Schwerpunkt bei Förderung von VR/AR-Startups setzt. Die Chance, professionelles Risikokapital zu erhalten, ist allerdings sehr gering. Ein Bericht von Forbes sowie eine Studie im Umfeld der Oxford University liefern wertvolle Informationen. Tatsächlich verschwenden viele Gründer hunderte Stunden mit der Suche nach Investoren, die sie besser in die Förderung ihres eigenen Geschäftes investiert hätten.

Viele Gründer verschwenden hunderte Stunden mit der Suche nach Venture Capital.

Wer das notwendige Startkapital nicht in seinem persönlichen Umfeld findet, muss sich selbst die richtigen Fragen stellen: Basiert das Geschäftskonzept vielleicht doch mehr auf eigenem Wunschdenken als auf den Bedürfnissen zahlungsfähiger Kunden? Ist man vielleicht zu früh dran? Gerade in der VR-Branche können sich in wenigen Jahren die Rahmenbedingungen durch technische oder kulturelle Fortschritte völlig verändern. Vielleicht hat man aber auch einfach nicht den Zugang zu den notwendigen Ressourcen, weil man nicht die richtigen Leute kennt oder am falschen Ort wohnt. Dann heißt es nach neuen Wegen suchen oder das Geschäftsmodell anpassen. In der VR-Branche wird es in den nächsten Jahren für kreative Macher so viele Möglichkeiten geben, dass man sich anfangs auch ein oder zwei Fehlschüsse erlauben kann.

Boris Reimelt hat in seiner Laufbahn als IT-Experte mehrere Kleinunternehmen gegründet und als Angestellter sowie Freelancer für viele mittelständische Unternehmen und Konzerne im In- und Ausland gearbeitet. Er wirkt aktuell selber an Gründungen in der VR-Branche mit und genießt die Aufbruchsstimmung als Unternehmer. Im VR-Forum ist er Moderator für den Business-Bereich, dort wird rund um VR-Geschäftsmodelle diskutiert.

| Featured Image: Oculus VR / VRODO