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Virtual Reality: Titanische Pracht – “Titanic: Honor & Glory” ausprobiert

von Tomislav Bezmalinovic29. Juni 2017

Ein kleines Studio schickt sich an, die RMS Titanic in digitaler Form wiederauferstehen zu lassen. Vor wenigen Tagen veröffentlichte das Team eine Demo für Oculus Rift und HTC Vive. Ich habe mich auf einen Rundgang begeben.

Fehlende Ambitionen kann man dem dreiköpfigen Team von Vintage Digital Revival nicht vorwerfen. Das Ziel ist eine vollständige Rekonstruktion des legendären Passagierschiffes, das am 15. April 1912 nach einer Kollision mit einem Eisberg sank und dabei mehr 1.500 Todesopfer forderte. Dem Team zufolge soll man nach der Fertigstellung des Projekts jede Kabine, jeden Korridor und jeden Speiseraum betreten können.

Damit auch alles originalgetreu umgesetzt ist, arbeitet das Team mit einer Vielzahl von Experten zusammen, darunter Historiker und Forscher, die an Expeditionen zum Wrack teilgenommen haben und Artefakten aus der Titanic studiert haben. Selbst mit Nachfahren von Überlebenden und Opfern stehen die Entwickler in Kontakt.

Ein fotorealistisches Duplikat

Auf der offiziellen Internetseite kann man nachsehen, welche Bereiche bereits digital umgesetzt wurden. Startet man die Anwendung, findet man sich im Eingangsbereich von Deck D wieder. Das ist eines der oberen Stockwerke, auf dem die Passagiere der erste Klasse verkehrten. Entsprechend prunkvoll und luxuriös wirken die Salons und die Inneneinrichtung.

Das einen Stock tiefer liegende Deck bietet das Kontrastprogramm dazu: einfache, enge Speisesäle mit langen Holztischen und dichtgedrängten Stühlen. Die Kabinen sind zu beiden Seiten eines einförmigen, langen Korridors zu finden.

Die Innenräume und Gegenstände sind in einem geradezu stupenden Detailgrad umgesetzt – so als hätten die Entwickler eine Zeitreise unternommen und von der originalen RMS Titanic per Fotogrammetrie ein fotorealistisches Duplikat erstellt.

Dass die Illusion dennoch nicht perfekt ist, darf man nicht dem Programm anlasten, sondern den Einschränkungen aktueller VR-Technologie. Grafisch gesehen ist Titanic: Honor and Glory seiner Zeit voraus und dürfte das volle Potenzial erst mit VR-Brillen ausschöpfen, die höher auflösende Displays verbaut haben.

Technische Probleme

Dass es sich um eine sehr frühe Version handelt, erkennt man daran, dass die Titanic noch recht statisch und unbelebt wirkt. Lichteffekte, Animationen oder menschliche Figuren wurden dem Programm noch nicht hinzugefügt.

Musik oder eine Geräuschkulisse fehlt ebenfalls, was aber auf ein technisches Problem zurückzuführen sein könnte. Mit der VR-Brille ruckelt das Programm zudem merklich. Diese technischen Probleme ändern jedoch nichts daran, dass Titanic: Honor and Glory eine Erfahrung bietet, die jeder VR-Enthusiast einmal ausprobieren sollte.

Die rund 5 Gigabyte große Demo kann man hier herunterladen. Unterstützt wird HTC Vive und Oculus Rift. Mehr Bilder und Informationen gibt es auf der offiziellen Internetseite.

Titanic: Honor and Glory ist nicht das einzige Titanic-Projekt, das man in der Virtual Reality erleben kann. Immersive VR Education arbeitet mit “Titanic VR” ebenfalls an einer VR-Erfahrung, die das Passagierschiff in den Mittelpunkt rückt. Die Schöpfer von “Apollo 11 VR” haben im Februar erfolgreich eine Kickstarter-Kampagne absolviert und bei Steam eine kurze Demo veröffentlicht.

| Featured Image: Vintage Digital Revival LLC and Four Funnels Entertainment

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