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Virtual Reality: VR-Porno-Nutzer wollen Zärtlichkeit statt harten Sex

von Tomislav Bezmalinovic5. März 2017

Die Journalistin Tracy Clark-Flory verfolgt schon seit Jahren die Entwicklungen in der VR-Pornoindustrie. In einem Podcast erzählt sie, weshalb VR-Pornos neue Darsteller brauchen und Konsumenten Zärtlichkeit wichtig ist.

Die Moderatorin des Podcasts hat sich auf das Gespräch vorbereitet und eine Reihe VR-Pornos angeschaut. Die meisten dieser Filme werden aus der Blickperspektive des Mannes gedreht. Dank der 360-Grad-Optik entsteht beim Aufsetzen der VR-Brille der Eindruck, selbst Sex zu haben.

Diese Erfahrung sei sowohl befremdlich als auch faszinierend, gesteht Maureen O’Connor im Podcast des NYMag. Faszinierend, weil sie zum ersten Mal die Möglichkeit hatte, die Perspektive eines Mannes einzunehmen und befremdlich, weil sie sich mit dem Darsteller nicht identifizieren konnte. Besonders störten sie seine zahlreichen Tattoos.

Dieselbe Entfremdung habe sie auch bei einem VR-Porno erlebt, der aus der Perspektive der Frau gedreht war. Hier hätte sie der Bikini mit Leopardenmuster gestört, dass die Darstellerin trug: “Da ich so etwas nie anziehen würde, konnte ich mich nicht auf die Erfahrung einlassen”, sagt O’Connor.

Neue Herausforderungen für Pornodarsteller

Genau aus diesem Grund bevorzugen VR-Pornoproduzenten neuerdings Darsteller ohne körperliche oder sonstige Auffälligkeiten, erklärt die Journalistin Tracy Clark-Flory, die schon bei vielen VR-Pornodrehs dabei war.

Die Darsteller müssten zur Projektionsfläche für eine möglichst große Zahl an Konsumenten werden. Überhaupt sei es derzeit schwierig, geeignete Darsteller für VR-Pornos zu finden.

Für gewöhnliche Pornodarsteller sei es kein Problem, unter den schwierigsten Bedingungen zu arbeiten: Sie können ihrer Mannespflicht in einem Schwimmbecken mit kaltem Wasser oder in der Wüste unter der sengenden Sonne nachkommen.

Wenn sie aber ein schweres 360-Grad-Kamerarig auf der Brust tragen müssen, ihre Partnerin weder sehen können, noch berühren dürfen, seien sie nicht mehr in der Lage, die Erektion aufrechtzuerhalten.

Konsumenten wollen virtuelle Freundinnen

Zur neuen Rolle der Pornodarsteller gehört auch, dass sie die Führung den Frauen überlassen und sich vollkommen passiv verhalten müssen. Spricht oder bewegt sich der Darsteller im Film, stört das die Immersion.

Geht der Zuschauer hingegen in der Rolle seines virtuellen Alter Ego auf, hat er eine wesentliche intimere Erfahrung als bei gewöhnliche Pornos, meint Clark-Flory. Dies wiederum hat erheblichen Einfluss auf diese Bedürfnisse des Konsumenten.

Clark-Flory berichtet, dass Konsumenten von VR-Pornos Erfahrungen wünschen, in der die Darstellerin nicht als reines Sexobjekt, sondern als Freundin auftritt: “Sie wollen, dass die Erfahrung sehr intim ist. Sie wollen Augenkontakt. Sie wollen, dass ihnen die Darsteller nahe kommt und ihnen süße Nichtigkeiten ins Ohr flüstert. Sie wollen sogar kuscheln.”

Clark-Flory erzählt von einem VR-Pornodreh, bei dem der Regisseur die Frau am Ende dazu aufforderte, sich für eine Minute auf die Brust des Mannes zu legen und ein wenig zu kuscheln.

Schlechtes Gewissen nach virtuellem Sex

Die Journalistin gibt selbst ein eindrucksvolles Beispiel, wie intim Erfahrungen sein können, die VR-Pornos vermitteln. Clark-Flory erinnert sich an den lebhaften Eindruck, der ein VR-Porno aus weiblicher Perspektive hinterlassen hat. Nach dem Film habe sie sofort ihren Mann angerufen und ihm erzählt, was sie erlebt hat, weil sie deswegen ein schlechtes Gewissen hatte.

Er sei ein wenig eifersüchtig geworden, als er das hörte, sagt Clark-Flory. Danach hätte sie ihm ebenfalls einen VR-Porno gezeigt, hätte dabei aber ein ungutes Gefühl gehabt. “Der Grad an Intimität, den diese Filme vermitteln, fühlt sich bedrohlich an”, sagt die Journalistin.

Den Darsteller der Szene traf sie später im echten Leben für ein Interview. Das sei ihr unangenehm gewesen, da sie auf eine merkwürdige Art das Gefühl hatte, mit ihm intim gewesen zu sein. Dieses Gefühl sei noch dadurch verstärkt gewesen, dass er es nicht wusste. Sie sei zu schüchtern gewesen, ihm das zu sagen, meint die Journalistin.

| Source: NYMag

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