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Virtual Reality: Was ein bekannter US-Filmkritiker von VR-Filmen hält

von Tomislav Bezmalinovic22. Februar 2017

Ty Burr ist ein Filmkritiker des Boston Globe und schreibt seit 35 Jahren über Filme. Für das US-Magazin MIT Technology Review hat er sich verschiedene VR-Brillen aufgesetzt und sich einige der bekannteren Filme angesehen, die das neue Medium bietet. Was denkt Burr über die neue Kunstform?

Traditionelle Filme waren die Kunstform des 20. Jahrhunderts, schreibt Burr und fragt sich, ob Virtual Reality für das 21. Jahrhundert dieselbe Bedeutung haben könnte. Zumindest eines ist dem Filmkritiker klar: Virtual Reality wird nicht das neue Kino, sondern etwas vollkommen anderes. Doch wie sieht dieses aus? Auch auf diese Frage hat Burr noch keine Antwort, nachdem er sich eine Reihe von VR-Filmen angesehen.

Unter den Produktionen, die Burr gut gefallen haben, ist Notes on Blindness. Der 360-Grad-Film versucht darzustellen, wie ein Blinder die Welt wahrnimmt. Burr schreibt, dass der Film zwar auch auf einem Bildschirm funktioniert, dabei aber niemals die Wirkung hätte, die er unter der VR-Brille entfaltet.

Noch mehr gefällt dem Filmkritiker Dear Angelica vom Oculus Story Studio: “Dear Angelica schreitet linear voran, aber es erzählt weniger eine Geschichte, als dass es einen ergreifenden Gedankenstrang entfaltet. Man spürt, dass die Filmemacher hier die ersten, zaghaften Schritte in Richtung einer neuen Bildersprache machen”, schreibt der Filmkritiker. Dear Angelica sei ein Beweis dafür, dass man menschliche Erfahrungen auf eine neue Weise ausdrücken könne, ohne dabei auf bestehende Medien angewiesen zu sein.

VR-Filme müssen mehr als nur realistisch seien

Diesen beiden VR-Filmen stehen eine ganz Reihe von Produktionen entgegen, die Burr wenig bis gar nicht gefallen haben. Zum Beispiel die VR-Serie Invisible, die Hollywood-Regisseur Doug Liman für die 360-Grad-Plattform Jaunt produzierte. Die Schauspieler und Dialoge seien schlecht und die Ästhetik orientiere sich an traditionellen Filmen.

Vielversprechender sei der Versuch des Hollywood-Regisseurs Jon Favreau, in das Gebiet der Virtual Reality vorzustoßen und verweist damit auf dessen kurze VR-Erfahrung Gnomes and Goblins. Gut gemacht findet Burr auch Remembering Pearl Harbor, auch wenn es sich ungefähr so bedienen lasse wie eine interaktive CD-ROM aus den 90er Jahren. Allumette von den Penrose Studios hingegen findet Burr exzellent.

Auf Burrs Liste ist auch der erste 360-Grad-Film in Spielfilmlänge: Career Opportunities in Organized Crime. Der Film habe ihn enttäuscht, weil er die Möglichkeiten des Mediums nicht ausschöpft. Dennoch habe er bei dieser Erfahrung zwei Dinge gelernt: Erstens, dass die Ästhetik von Virtual Reality näher beim Theater als beim Film sei und zweitens, dass 360-Grad-Filmemacher noch keinen Weg gefunden haben, um eine Geschichte zu erzählen und die Aufmerksamkeit des Zuschauers zu lenken.

Viele VR-Filmen würden mit dem Argument vermarktet, dass sie eine neuartige Erfahrung bieten, die näher an der Realität sei. Burr meint, dass VR-Filme mehr als nur realistisch sein müssen, um das Publikum zu fesseln. Dies könne eine VR-Erfahrung nur dann bieten, wenn sie eine interessante immersive Umgebung schafft.

VR-Filme wie Allumette, Notes on Blindness und Dear Angelica zeigen, wohin die Reise geht, aber wie Zukunft des Mediums aussehen wird, könne man noch nicht wissen. “Uns fehlen die Worte, um die Zukunft zu beschreiben, weil wir sie noch nicht erfunden haben,” meint Burr.

| Featured Image: Oculus VR | Source: Technology Review

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