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Virtual Reality: Wissenschaftler forscht an virtuellen Keksen

von Tomislav Bezmalinovic26. Juni 2017

Kann Virtual Reality aus einem Weetabix-Vollkornweizengebäck einen Oreokeks machen? Ein japanischer Forscher geht dieser Frage nach.

Takuji Narumi experimentiert am Cyber Interface Lab der Tokyo University mit Metakeksen. So nennt der Assistenzprofessor reale Kekse, die mit Hilfe einer Mixed-Reality-Brille in Geschmack und Aussehen modifiziert werden.

Sein Prototyp hat eine Kamera verbaut, die die Außenwelt aufnimmt und in die Brille streamt. Hält man einen realen Keks vor das Gesicht, erkennt die Kamera das Gebäck und verändert in Echtzeit dessen Form und Textur, sodass man glaubt, ein vollkommen anderes Gebäck in der Hand zu halten.

Über sechs Röhrchen werden eine Reihe unterschiedlicher Aromen in die VR-Brille geleitet, sodass nicht nur das Auge, sondern auch der Geruchssinn des Probanden getäuscht wird und er glaubt, einen Keks mit Schokoladenüberzug zu essen.

Portionen virtuell vergrößern oder verkleinern

“Als ich zum ersten Mal diese Brille sah, dachte ich mir, dass ich niemals so ein Ding benutzen würde. Aber als ich sie aufsetzte und beobachtete, wie ein Keks sechs verschiedene Geschmacksformen annahm, war das ein echter Hirnfick”, sagt Simon Klose.

Der Dokumentarfilmer reist für das Vice-Tochterunternehmen Munchies um die Welt und erforscht Gerichte, die an der Schnittstelle von Essen und Technologie entstehen.

“Ich hätte nicht gedacht, dass man das Gehirn durch visuelle und olfaktorische Reize so leicht täuschen kann. Ich dachte, mein Gehirn sei smarter”, sagt der Journalist.

Narumi sieht mehrere Anwendungsszenarien für seine Technologie. Wenn man eine Diät macht, könnte man zum Beispiel die Portionen virtuell vergrößern und so dem Gehirn vortäuschen, dass man mehr Nahrung aufnimmt, als dies wirklich der Fall ist.

Das gegenteilige Szenario wäre ebenfalls denkbar und für Menschen geeignet, die bedingt durch eine Ernährungssstörung zu wenig essen. Außerdem könnte die Technologie eingesetzt werden, um ein fades Gericht geschmacklich aufzumotzen.

Geschmackserlebnisse konservieren

Solche Experimente sind nicht neu. Im Rahmen von Project Nourished versucht eine Gruppe von Ernährungsexperten, Designern und Programmierern, all jene Sinne zu manipulieren, die bei der Nahrungsaufnahme stimuliert werden.

So könnten Allergiker virtuell in den Genuß von Lebensmitteln kommen, die sie sonst nicht zu sich nehmen könnten. Oder man könnte vollkommen neue Geschmacksrichtungen kreieren. Seit einem Jahr kann man bei Project Nourished ein Starterkit mit verschiedenen Aromazerstäubern bestellen.

Ebenfalls an virtueller Nahrung forscht Benjamin Li von der Stanford University. Der Wissenschaftler möchte mit seiner Forschung erreichen, dass man Geschmackserlebnisse für die Nachwelt konservieren kann – für den Fall, dass bestimmte Nahrungsmittel in der Zukunft nicht mehr verfügbar sind.

| Featured Image: Munchies (Youtube-Screenshot) | Via: VRScout

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