Update vom 25. Februar:

Ein weiterer Testbericht trudelt ein, diesmal vom bekannten US-Spieleblog Rock Paper Shotgun. Laut dem Tester Alec Meer hat Vive Pro die Auflösung, die er sich zum Launch der VR-Brillen Anfang 2016 gewünscht hätte. Störende Pixellücken (Screendoor-Effekt) seien nicht mehr erkennbar, Text sei gut lesbar – “Problem gelöst”, schreibt Meer. Besonders Simulationsspiele mit aufwendigen Cockpits und vielen Details sollen von der höheren Auflösung profitieren.

Ansonsten sei die Erfahrung mit Vive Pro nicht grundlegend anders im Vergleich zum Originalmodell. Ein mögliches Problem ist laut Meer, dass Vive Pro aufgrund der höheren Auflösung einen noch schnelleren Rechner braucht, damit die erhöhte Pixelzahl ihr volles Potenzial entfaltet. In technisch weniger aufwendigen Spielen und Apps zeige die höhere Auflösung außerdem grafische Schwachstellen deutlicher, was in VR besonders störend sei.

Die VR-Brille an sich sei immer noch deutlich als HTC Vive erkennbar, wirke jedoch aufgrund der integrierten Kopfhörer etwas größer und sehe “mehr nach Science-Fiction aus”. Die Verarbeitung sei ein wenig hochwertiger und die neue Kopfhalterung eine Verbesserung. Das gefühlte Tragegewicht sei vergleichbar mit dem Originalmodell.

Meers Fazit ist zwiegespalten: Zum einen glaubt er, dass der VR-Markt jetzt schon weiter sei, wenn die ersten Brillen direkt die Qualität von Vive Pro gehabt hätten. Auf der anderen Seite habe er nach seinem ersten Test nicht das Bedürfnis, hunderte US-Dollar in das Upgrade zu investieren. Um ihn dazu zu bringen, brauche es neue Software, die er unbedingt in etwas höherer Auflösung erleben wolle.

Update vom 19. Februar 2018:

Die Webseite Techradar konnte HTC Vive Pro ausprobieren und der Ersteindruck ist rundum positiv: Der Tester lobt die gesteigerte Bildqualität und den höheren Tragekomfort der Brille aufgrund der verbesserten Kopfhalterung.

Von der neuen Anschlussbox verläuft nur noch ein Kabel zur Vive Pro, die Box wird zudem per Displayport 1.2 und USB 3.0 Typ C mit dem PC verbunden statt via HDMI und USB 3.0 Typ A.

Die höhere Pixeldichte geht laut Techradar mit einem deutlich geringeren Screendooreffekt einher. Das Fliegengitter sei zwar noch sichtbar, störe aber viel weniger. Wer Wert lege auf eine bessere VR-Spieleerfahrung, für den sei Vive Pro ein sicherer Kauf, lautet das Fazit des Testers.

Mehr zu Vive Pro:

Ursprünglicher Artikel vom 09.Januar 2018:

Auf der CES 2018 zeigt HTC Vive Pro, ein aktualisiertes Modell der Virtual-Reality-Brille HTC Vive mit höherer Auflösung und mehr Tragekomfort. Die ersten Testberichte sind positiv, wenn auch nicht enthusiastisch.

Die Webseite The Next Web beschreibt den Sprung in der Auflösung von 1080 mal 1200 Bildpunkte pro Auge auf 1440 mal 1600 Bildpunkte pro Auge als sichtbar, er verändere die VR-Erfahrung jedoch nicht grundlegend. Die Kombination mit Intels Drahtlos-Adapter sei ein Sprung nach vorne, allerdings sei die Gesamtkonstruktion aus Brille samt Adapter noch immer schwer und klobig und in etwa auf dem Niveau des Vorgängers. Die größte Herausforderung von VR sei es wie gehabt, eine Identität zu finden.

Die britische VR-Seite VRFocus beschreibt Vive Pro als “kleines Upgrade, aber in wichtigen Bereichen”. Die höhere Auflösung sei deutlich bemerkbar, der Screendoor-Effekt, bei dem die schwarzen Lücken zwischen einzelnen Pixeln aufgrund der Vergrößerung durch die Linsen auffallen, nicht mehr sichtbar. Die Audio-Qualität der integrierten Kopfhörer sowie des Mikrofons seien sehr gut. Optisch wirke die Brille wie gehabt klobig, aufgrund der neuen Kopfhalterung – eine überarbeitete Version des Deluxe Audio Strap (Testbericht) – sei sie jedoch deutlich komfortabler. Beim Gewicht konnte der Tester keinen Unterschied zum Originalmodell wahrnehmen, obwohl Vive Pro etwas leichter sein soll. Die Marktchancen der neuen Brille hingen maßgeblich vom Preis ab.

Laut dem Tester der Webseite Gizmodo ist die Qualitätsverbesserung ob der höheren Auflösung “weniger deutlich, als man erwarten würde”. Der Screendoor-Effekt sei zwar reduziert, aber noch sichtbar. Man könne ihn jedoch im Vergleich zur Originalbrille leichter ignorieren. Der Tester lobt besonders die nahtlose Integration von Intels Drahtlos-Adapter, der ein Gefühl von “echter Freiheit” in Virtual Reality vermittele. Eine Beobachtung, die ich nach meinem Test des Tpcast-Adapters für die Originalbrille bestätigen kann: Kabellos-VR kann ein massiver Präsenzverstärker sein. Die kabellose Vive Pro ist laut Gizmodo wie Motorradfahren, Kabel-VR mit der originalen HTC Vive wie Fahrradfahren.

Vive Pro zielt auf die Spitze, nicht die Breite

Jan-Keno Janssen von Heise.de schreibt, dass die höhere Auflösung sofort ins Auge fällt, sodass Texte deutlich besser zu lesen sind. Einzelne Pixel seien aber nach wie vor sichtbar, ebenso wie Lichtreflexionen in der Optik, wenn helle Objekte auf dunklem Grund erscheinen. Alles in allem sei das Display und die Optik aber deutlich besser als bei HTC Vive. Was den Tragekomfort betrifft, konnte Janssen keinen großen Unterschied zur Ur-Vive mit Deluxe Audio Strap feststellen.

Die Webseite Techradar schreibt, dass Vive Pro der notwendige halbe Schritt für HTC sei, um bei der Technologie Marktführer zu bleiben. Laut dem Autor ist der störende Screendoor-Effekt “fast nicht mehr sichtbar”. Das Gerät sei kein großer Sprung nach vorne, sondern biete nur kleine Verbesserungen gegenüber dem Original. Das finale Urteil sei abhängig vom Preis.

Digitaltrends kritisiert, dass Vive Pro wie HTC Vive nicht gut für Brillenträger geeignet sei, lobt aber den insgesamt verbesserten Tragekomfort. Vive Pro sei bequem und sitze dennoch fest auf dem Kopf. Die höhere Auflösung sei deutlich sichtbar, vergleichbar mit dem Sprung auf HD-TVs – die Brille sei dem Vorgängermodell und Oculus Rift deutlich überlegen. Dennoch fühle sich Vive Pro noch nach einem Nischenprodukt an und würde wohl – abhängig vom Preis – keine neuen Käuferschichten gewinnen, sondern eher Enthusiasten begeistern.

Der Erfolg hängt vom Preis ab

Road to VR ist begeistert von Vive Pro: Das Gerät sei zwar keine Vive 2, aber lege die Messlatte für PC-Brillen in vielerlei Hinsicht höher, angefangen bei der visuellen Qualität. Der Tester schreibt, dass es schwierig ist, bei Vive Pro noch einzelne Pixel zu erkennen. Die Lichtreflektionen in kontrastreichen Szenen würden aber nach wie vor auftreten, da wie bei HTC Vive Fresnel-Linsen verbaut sind.

Der Tragekomfort sei höher als bei HTC Vive mit dem Deluxe Audio Strap, obwohl Vive Pro insgesamt wuchtiger ist. Die VR-Brille fühle sich dank kleiner Verbesserungen angenehmer auf dem Kopf an und sitze stabiler.

Anstatt mit zwei Schrauben kann das Gehäuse bei Vive Pro mit einem Knopf nach hinten oder vorne bewegt werden. Das sei praktisch, wenn man eine Brille trägt. Auf den Kopfhörern sind Knöpfe untergebracht, mit denen Nutzer manuell die Lautstärke anpassen und die Mikrofone an- und ausschalten kann, ohne ins SteamVR-Menü wechseln zu müssen. Laut Road to VR sind die Kopfhörer entgegen früherer Berichte nicht abnehmbar (Anm. d. Redaktion: Diese Aussage widerspricht Angaben auf der offiziellen Internetseite).

Vive Pro sei ein eindrückliches Upgrade gegenüber HTC Vive. Dennoch bleibe noch eine wichtige Frage offen: wie viel die VR-Brille kosten wird. Wenn der Preis zu hoch ausfalle, würde er bei Endkunden durchfallen und dem VR-Markt nicht die erhofften Impulse geben können.

Laut Tom Warren von The Verge (Video unten) ist Text deutlich besser lesbar, allerdings “nicht perfekt”.

Weitere Testberichte:


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