Die erste Folge der VR-Filmreihe Awake kombiniert volumetrisch gefilmte Darsteller mit detaillierten 3D-Umgebungen. Erzählt wird die Geschichte eines übersinnlich begabten Mannes, der das Rätsel eines wiederkehrenden Traums zu lösen versucht, um seine dunkle Vergangenheit zu bewältigen. Ich habe mir die filmische VR-Erfahrung angesehen.

Awake ist als achtteilige Serie angelegt. Die erste Folge fackelt nicht lange und wirft den Zuschauer mitten hinein in eine obskure Handlung: Man lernt die an einen Rollstuhl gefesselte Hauptfigur Harry Whitbread kennen, erlebt in Traumrückblenden Momente seines früheren, glücklicheren Lebens und wird dabei mit mysteriösen Artefakten, höheren Mächten und unerklärlichen Vorkommnissen konfrontiert.

Wie das alles zusammenhängt, was wirklich und was nur geträumt ist, erschließt sich einem nur bruchstückhaft, sodass man als Zuschauer ratlos zurückbleibt.

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Die Umgebungen faszinieren durch ihren Detailgrad. BILD: Start VR

Holografische Darsteller

Die Glanzpunkte der VR-Erfahrung sind nicht narrativer als vielmehr technischer Natur: VR-Nutzer können volumetrische gefilmte Darsteller bewundern und sich in beinahe fotorealistisch gestalteten 3D-Umgebungen bewegen.

Die Hollywood-Schauspieler Jake McDorman und Analeigh Tipton wurden in Microsofts Mixed-Reality-Studio dreidimensional aufgenommen. Das Ergebnis überzeugt jedoch nicht ganz: Tritt man nahe an die Figuren heran, verlieren sich Details und es stellt sich ein unangenehmer Uncanny-Valley-Effekt ein.

Sehr ärgerlich: Beim Erforschen der detaillierten Filmszene ist man auf die Grenzen des eigenen Trackingbereichs beschränkt. Episode One wurde für raumfüllende Virtual Reality entworfen und lässt dummerweise nur natürliche Fortbewegung zu. Teleportation oder künstliche Fortbewegung? Fehlanzeige.

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Die 3D-Aufnahmetechnik muss noch reifen, um vollends zu überzeugen. BILD: Start VR

Fazit: Technisch stark, erzählerisch schwach

Ansonsten kann man nicht viel tun in Awake: Die Interaktionsmöglichkeiten beschränken sich darauf, Objekte zu berühren, um das nächste Ereignis auszulösen.

So bleibt man nicht mehr als ein unsichtbarer Statist, der zwar inmitten der Szenen auftaucht, aber nicht in die Geschichte eingebunden wird. Dieser Umstand und die wirre Geschichte führen dazu, dass man keinen emotionalen Bezug zur Handlung aufbaut. So bestätigt Awake letztlich eine alte Wahrheit: dass ein hoher technischer Produktionsaufwand noch längst keinen guten Film macht.

Awake: Episode One ist für HTC Vive und Vive Pro bei Steam und Viveport erhältlich und soll Anfang 2019 für Windows-Brillen sowie kurz darauf für Oculus Rift erscheinen. Der VR-Film dauert ungefähr 20 Minuten und benötigt für eine optimale Wiedergabe eine Nvidia GTX 1080 und 16 Gigabyte Arbeitsspeicher.

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Titelbild: Start VR


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