0

Vom IS zerstörte Kunstwerke rekreiert in Virtual Reality

von Carolin Albrand3. Juni 2016

Real zerstört, virtuell neu erschaffen: Ein Projektteam haucht Kunstwerken und historischen Objekten in Virtual Reality wieder neues Leben ein.

Die britische Wochenzeitung “The Economist” veröffentlicht ihr erstes VR-Projekt: Projekt Mosul. In Zusammenarbeit mit der Non-Profit-Organisation Rekrei erstellte das Medienhaus eine virtuelle Nachbildung des Museums in Mosul und viele der darin zerstörten Artefakte. Umgesetzt wurde das Projekt mittels Photogrammetrie.

Am 26. Februar 2015 veröffentlichte die Terrorgruppe Islamischer Staat ein Video, in dem die Zerstörung von Kunstwerken und historischen Artefakten dokumentiert wird: Die Männer zerschlagen mit Hämmern eine Reihe von Ausstellungsstücken, Statuen und gut erhaltener Ruinen im Museum von Mosul, einer Stadt im Norden des Iraks. Die Protagonisten im Video verkünden, ihnen sei von ihrem Propheten befohlen worden, die Götterbilder zu zerstören. Dabei vernichten sie auch wertvolle kulturelle Andenken.

Mit Projekt Mosul unternimmt The Economist den Versuch, zumindest virtuell einige dieser einzigartigen Kulturgüter für die Nachwelt zu retten. Die App “RecoVR Mosul: A collective reconstruction” ist bislang nur für Cardboard (Android & iTunes) erhältlich, eine Version für Samsung Gear VR soll in Kürze erscheinen. Die VR-Erfahrung ist einem Rundgang durch das zerstörte Museum nachempfunden. Eine Sprecherstimme erklärt dabei Details zu den Kunstwerken und gibt Hintergrundinformationen zum Projekt.

Umgesetzt wurde das Projekt von Matthew Vincent und Chance Coughenour, zwei Doktoranden in Archäologie. Die beiden starteten eine Crowdsourcing-Kampagne, um so viele Fotografien der zerstörten Statuen und Kunstwerke wie möglich zu sammeln. Das Team erhielt tausende Aufnahmen von Touristen und amerikanischen Soldaten, die während des Krieges vor Ort waren. Auf Basis der Fotos wurde dann das Museum samt der Ausstellungsstücke darin virtuell rekreiert.

Mehr Informationen zum Projekt, das auch auf andere zerstörte kulturelle Erbe ausgeweitet werden soll, gibt es hier.

| Source: The Economist  | All Images: The Economist