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Von wegen Stubenhocker: Virtual Reality für draußen

von Matthias Bastian20. Dezember 2015

Dass VR-Anwendungen nicht mit “daheim einsperren und von der Außenwelt isolieren” gleichzusetzen sind, zeigt Outdoor VR. Die Entwickler dort widmen sich ganz dem Thema: Wie kann man reale Welt und virtuelles Erlebnis miteinander verknüpfen – und das außerhalb der eigenen vier Wände.

Funktionieren kann dieses Konzept natürlich nur mit kabellosen, mobilen VR-Brillen wie Gear VR oder Google Cardboard. Das grundsätzliche Prinzip dahinter: Erzeuge eine reale Bewegung, die mit der virtuell wahrgenommenen Bewegung zumindest ansatzweise übereinstimmt. Ziel ist es, dass die kombinierte psychische und physische Wahrnehmung die Immersion verbessert und möglicherweise sogar Übelkeit verhindert.

Die gleiche Methode wird beispielsweise auch bei der Virtual-Reality-Achterbahn im Europapark Rust eingesetzt: Der Fahrgast sieht nicht nur die virtuelle Umgebung durch die VR-Brille, sondern spürt gleichzeitig auch die Fliehkräfte der Fahrt, hat den Fahrtwind im Gesicht und hört das Rattern der Wägen. Durch die perfekte Synchronisation der beiden Welten ist die Immersion in Virtual Reality deutlich glaubwürdiger und der Fahrgast hat das Gefühl, durch eine Fantasiewelt zu fliegen, statt in einer normalen Achterbahn zu sitzen.

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Outdoor VR setzt eher auf einfache und alltagstaugliche Fortbewegungsmittel: Beispielsweise ein Tandem, eine Gondel oder sogar einer normale Busfahrt. Klar, beim aktuellen Stand der mobilen VR-Brillen kann das nicht mit Hightech-Erlebnissen wie einer Achterbahnfahrt mithalten. In den kommenden Jahren und mit besserer Technologie könnte das Konzept aber durchaus interessant werden; nicht nur, weil es außergewöhnliche sensorische und surreale Erlebnisse ermöglicht, sondern VR auch um eine soziale Komponente ergänzt.

Outdoor VR ermuntert Menschen dazu, mit einer VR-Brille auf dem Kopf aus dem Haus zu gehen, die frische Luft einzuatmen und den natürlichen Umgebungston zu genießen- während sie mitten in der Stadt durch einen virtuellen Wald laufen. […] Virtual Reality vor der Tür bedeutet, dass VR ein soziales und kollaboratives Erlebnis wird, denn man braucht aus Sicherheitsgründen die Unterstützung einer zweiten Person. Outdoor VR

Virtual Reality beim ersten Date – Ingress für Romantiker!?

Ein weiteres Projekt von Outdoor VR, das im Rahmen eines Hackathons enstand, ist die App Cyborg-Dating. Ein Partner trägt die Cardboard-VR-Brille, der andere passt auf, dass der dann blinde Nutzer in der realen Welt nicht gegen Hindernisse oder vor das nächste Auto rennt. Die Position des VR-Brillenträgers wird über GPS getrackt, die reale Bewegung kann so in die virtuelle Umgebung übertragen werden. Auch ohne aufwändige Tracking-Lösung kann man auf diese Art authentisch durch einen Virtual-Reality-Wald wandern.

Im VR-Wald tauchen an verschiedenen Stellen so genannte HotSpots auf, die zur Interaktion zwischen den Flirtenden auffordern. Am Picknickplatz soll sich der VR-Brillenträger füttern lassen, man wird aufgefordert ein Paar-Selfie zu machen oder sich zu küssen. Das Smartphone des Guides wird zur Fernbedienung, um die virtuelle Welt des VR-Brillenträgers zu verändern – auf Knopfdruck wird aus einem blauen Himmel eine romantischen Sternennacht.

Leider dürfte die App nur in Utrecht richtig gut funktionieren, für die Umgebung dort wurde sie speziell angepasst und die Hotspots in der Stadt verteilt. Das grundsätzliche Prinzip, also durch einen virtuellen Wald zu spazieren, kann man aber überall erleben, wenn die GPS-Position korrekt erfasst wird. Wer das Dating-Game ausprobieren will, sollte mit dem Smartphone auf die Seite http://cyborgdating.com/ surfen, dort steht eine detaillierte Anleitung.

Leider wird an der Software seit geraumer Zeit nicht mehr gearbeitet. Aber wenn in 2016 Samsungs Gear VR flächendeckend verfügbar ist, wäre das vielleicht ein guter Anlass für die Entwickler, die Web-App auf den neusten Stand zu bringen. Googles Augmented-Reality-Spiel Ingress, das ebenfalls virtuelle Szenarien und reale Welt miteinander verknüpft, ist mittlerweile ja auch ein Erfolg.

| FEATURED IMAGE: sndrv (Screenshout bei YouTube)
| SOURCE: Outdoor VR