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VR-Brille aus China: 30 Millionen US-Dollar für DeePoonVR

von Matthias Bastian28. Dezember 2015

Auch wenn die USA mit Oculus Rift die wohl aktuell bekannteste und am meisten erwartete VR-Marke stellt: Ein großer Teil der aktuellen VR-Projekte wie HTC Vive, Gear VR oder Playstation VR, kommen aus dem asiatischen Raum. Auch in China tut sich was – zum Beispiel bei DeePoonVR.

Gegründet wurde DeePoonVR im April 2015 und launchte im Juni dieses Jahres eine erfolgreiche Crowdfunding-Kampagne für die VR-Brille “E2 DeePoon”. Zusätzlich gibt das Unternehmen an, insgesamt über 100 Millionen US-Dollar an Investorengeldern  eingesammelt zu haben. Der Gesamtwert des Unternehmens wird auf rund 125 Millionen US-Dollar geschätzt.

Ganz aktuell investierte der chinesische Smartphone-Marktführer Xiaomi 30 Millionen US-Dollar in das Start-up. „Wir sind vom Potenzial der VR-Technologie begeistert, glauben aber, dass die Entwicklung noch ganz am Anfang steht. Wir beobachten den Markt aber sehr genau”, sagte Hugo Barra, Vizepräsident von Xiamoi in einem Interview mit der New York Times noch Anfang Dezember.

Die selbstentwickelte VR-Brille soll laut Angaben von DeePoonVR zu 99 Prozent kompatibel mit vorhandener Oculus-Rift-Software sein. Mit einem Kaufpreis von rund 280 US-Dollar ist “E2 DeePoon” aber deutlich günstiger sein als der große Bruder aus den USA, der bei Marktstart mindestens 350 US-Dollar kosten wird.

An irgendwas erinnert das Design doch...hm... Quelle: DeePoonVR

An irgendwas erinnert das Design doch…hm… Quelle: DeePoonVR

Günstiger muss die Brille aber auch sein, denn auch wenn sie optisch stark an Oculus Rift erinnert – die verbaute Technologie hinkt deutlich hinterher. Die VR-Brille hat nur ein einzelnes 1080p-Display verbaut, das angeblich auch von Samsung im Galaxy Note 3 verbaut wird. Allerdings wird das Display von der VR-Brille mit 75hz statt 60hz angesteuert, was eine höhere Bildwiederholrate ermöglicht. Zum Vergleich: Samsungs Gear VR läuft mit maximal 60 Bildern pro Sekunde, das zweite Entwicklerkit von Oculus Rift mit 75hz, die finalen Versionen von Oculus Rift und HTC Vive geben maximal 90 Bilder pro Sekunde wieder. Umso höher die Bildwiederholrate, desto glaubhafter ist das VR-Erlebnis.

Die Sensoren der “E2 DeePoon” erkennen Kopfbewegungen (Headtracking), nicht aber die Bewegungen des Oberkörpers (Positionaltracking). Letzteres ist ein Feature, das bereits im zweiten Entwicklerkit von Oculus Rift verfügbar war und auch in die finale Version der VR-Brille aus den USA integriert ist. Allein deshalb muss die Aussage von DeePoonVR, dass 99 Prozent der Rift-Sofware auch mit der eigenen VR-Brille kompatibel sei, stark bezweifelt werden. Denn sobald eine Software Positionstracking als essenzielles Element der Handlung oder des Gameplays nutzt, kann sie mit “E2 DeePoon” nicht mehr sinnvoll genutzt werden.

Das macht die  “E2 DeePoon” zu einem eher uninteressanten und abgespeckten Klon von Oculus Rift DK2, das technisch knapp unter dem Niveau von Samsungs mobiler VR-Brille Gear VR liegt – und zusätzlich noch verkabelt werden muss. In diesem Zustand ist die VR-Brille erstmal nur für den chinesischen Markt interessant.

Eher kurios ist es, dass die Entwickler der VR-Brille im Trailer zur Crowdfunding-Kampagne schauspielerisches Talent beweisen. Bei der Demonstration einer Virtual-Reality-Achterbahnfahrt wird eine bekannte Szene aus einem YouTube-Video kopiert, in der ein Mann bei einer VR-Demo im Supermarkt bei der gleichen Achterbahn-Demo einfach umkippt und von seinem Freund aufgefangen werden muss.

GIF DeePoonVR beweist schauspielerisches Talent: Bei der VR-Achterbahn kippen die Entwickler einfach um.
GIF DeePoonVR beweist schauspielerisches Talent: Bei der VR-Achterbahn kippen die Entwickler einfach um.

Kompletter Trailer zur “E2 DeePoon” von DeePoonVR:

| QUELLE: allchinatech.com, New York Times
| FEATURED IMAGE: DeePoonVR