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VR-Brille mit Gedankensteuerung: MindMaze ist ein Einhorn

von Carolin Albrand5. Februar 2016

Das Gehirn ist faszinierend, komplex und hinterhältig. Der Mensch fühlt sich selbstbestimmt – in Kontrolle über die Dinge, die er kann oder eben nicht. Aber kaum geht “da oben” etwas kaputt, funktionieren die selbstverständlichsten Handlungen nicht mehr. Das Unternehmen MindMaze aus der Schweiz will mit Virtual-Reality-Anwendungen zukünftig dabei helfen, den Heilungsprozess nach Schlaganfällen zu beschleunigen.

Investoren der indischen Hinduja-Gruppe kauften vor wenigen Tagen etwa ein Drittel des Start-Ups, das auf einen Gesamtwert von mehr als eine Milliarde US-Dollar geschätzt wird. Das macht MindMaze zu einem sogenannten “Einhorn” der Startup-Szene, denn weltweit gibt es nur rund 150 junge Unternehmen, die mehr Wert sind als eine Milliarde US-Dollar. In der Virtual- und Augmented-Reality-Branche ist MindMaze neben Magic Leap derzeit das einzige “Einhorn”; Oculus VR wurde im Frühjahr 2014 für zwei Milliarden US-Dollar von Facebook aufgekauft.

“MindMaze will eines der wichtigsten neuromedizinischen Unternehmen der Welt werden. Unsere Vision ist es, dass in fünf Jahren jedes Gerät unseren MindMaze-Chip verbaut haben soll”, sagt der 34-jährige Gründer Tej Tadi der Economic Times. “Der Chip verarbeitet die Umgebung so wie das Gehirn sehr intuitiv. Man denkt an etwas und dann passiert es durch die Software.” Die 52 Mitarbeiter des Unternehmens arbeiten stark interdisziplinär, kommen sowohl aus den Computerwissenschaften als auch der Mathematik, Neurobiologie, Medizin und Robotik. Die technologischen Grundlagen für sein Unternehmen erforschte Tadi während seiner Zeit als Doktorand an der technisch-naturwissenschaftliche Universität in Lausanne.

VR- und AR-Brille ausgestattet mit zahlreichen Sensoren.

Die Vision: Eine Mixed-Reality-Brille in einem schlanken Gehäuse, ausgestattet mit zahlreichen Sensoren. BILD: MindMaze

High-Tech für die Therapie – und die ultimative VR-Erfahrung?

Kernstücke der Technologie sind neben dem Chip und einer Mixed-Reality-Brille auch ein 3D-Kamerasystem, das Bewegungen erkennt, sowie neurophysiologische Sensoren, die Gehirnströme messen. Mit dieser Kombination aus Technologien ist es möglich, Anwendungen mit der Kraft der eigenen Gedanken auf einer rudimentären Ebene zu beeinflussen. Das bietet bei der Therapie von Hirnschäden viel Potenzial. Beispielsweise leiden Schlaganfallpatienten häufig an einer Konzentrationsschwäche, die man mit MindMaze gezielt behandeln kann. In einem therapeutischen Ansatz wird der Patient mit einer Stresssituation konfrontiert, in der er die eigene Hand brennend vor sich sieht. Konzentriert sich der Patient auf die Flammen und versucht sich zu beruhigen, so dass sich die Gehirnfrequenzen ändern, kann er die Farbe der Flamme verändern.

Auch wenn der Fokus vorerst auf dem Gesundheitswesen und der Behandlung von Schlaganfallpatienten liegt, glaubt Tadi, dass das Potenzial seiner Technologie weit darüber hinaus geht. “Unsere langfristige Vision ist es, dass Menschen die virtuelle Realität so erleben, wie sie sein sollte”, sagte Tadi bereits im März 2015 dem Online-Magazin UploadVR. Das klingt nach einer Mischung aus Inception und der Matrix, denn sein Wunsch beinhaltet, dass in fünf bis zehn Jahren Gehirnströme so gezielt gelenkt werden können, dass menschliche Wahrnehmung vollständig manipulierbar wird. “Wir tricksen das Gehirn aus und lassen es gezielt Dinge wahrnehmen, um Heilungsprozesse zu beschleunigen. Aber es gibt Anwendungsszenarien weit darüber hinaus, für Medien, Transport, Verteidigung und das Internet der Dinge”, glaubt Tadi. Bereits auf der GDC im März 2015 präsentierte MindMaze die selbstentwickelte Brille samt Hirnstrommessung mit einigen Spieledemos.

| SOURCE: The Economic Times
| VIA: UploadVR
| FEATURED IMAGE: MindMaze