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VR-Erfahrung visualisiert Opferzahlen nach Terrroranschlägen und Krieg

von Matthias Bastian13. Januar 2017

Der iranische Künstler Ali Eslami will mit der VR-Brille nachdrücklich zeigen, was die Zahl der Opfer nach Krieg und Terroranschlägen, die täglich durch die Medien schwirren, eigentlich bedeuten. In einer virtuellen Umgebung begegnet man den Leichensäcken stapelweise.

Eslami bezeichnet seine VR-Erfahrung “DeathToll Experience” als neue Methode, um Daten erlebbar zu machen. Ziel sei es, Empathie bei ansonsten “bedeutungslosen Datensätzen” auszulösen.

Er wolle die mentalen Filter einreißen, so Eslami, die Menschen aufgrund der durchgängigen Berichterstattung der Medien aufgebaut hätten, die das Massensterben wie eine Selbstverständlichkeit wirken lassen.

Unter anderem versetzt Eslami den Nutzer mit der VR-Brille in den LKW, in dem 2015 bei Parndorf 71 Flüchtlinge erstickten. “Ich konnte nicht alle 71 Leichen im Truck platzieren, sonst hätte sich der Nutzer nicht mehr bewegen können”, sagt Eslami der Webseite The Creators Project. “Wenn man in VR ist, fühlt man die Präsenz der Körper. Daher kommt die Wirkung.”

Laut Eslami würden einige Nutzer die rund acht Minuten lange VR-Erfahrung nicht durchhalten. Vereinzelt würden Menschen so stark reagieren, dass sie zu Tränen gerührt die VR-Brille absetzen müssten.

Seine Visualisierung reduzierte Eslami auf das Wesentliche, entfernte alle interaktiven Elemente, Interfaces und Zahlenangaben. Ebenso verzichtete er auf eine Sprecherstimme. Die Anwendung soll allein Kraft ihrer Bilder und über das Präsenzgefühl wirken.

Für eine Szene bereitete Eslami die Opferzahlen des syrischen Bürgerkriegs seit 2011 auf. Circa 300.000 Zivilisten wurden getötet. Virtuell werden sie in 30 Türmen gestapelt, in jedem liegen 10.000 Leichensäcke. “Die Leute wissen, ok, da sterben täglich Menschen, aber wenn man sie alle gleichzeitig zeigt, dann beginnt der Horror”, sagt Eslami.

“DeathToll Experience” wurde mit dem DocLab Immersive Non-Fiction Award auf dem IDFA Festival in Amsterdam ausgezeichnet. Eslami plant die Veröffentlichung für Oculus Rift und HTC Vive in 2017. Das Video zeigt Ausschnitte der VR-Erfahrung.

| Featured Image: Ali Eslami

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