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VR-Filmer: “Wir müssen die Regeln der Filmkunst vergessen”

von Tomislav Bezmalinovic11. August 2017

Vom Startup Wevr stammen VR-Erfahrungen wie “TheBlu” oder “Gnomes & Goblins” des Hollywood-Regisseurs Jon Favreau. James Kaelan ist einer der führenden Köpfe des Unternehmens, hat jahrelang in der Filmindustrie gearbeitet und dreht mittlerweile selbst VR-Filme. In einem Interview erzählt er, weshalb gerade seine Berufsgruppe nicht die besten Voraussetzungen mit sich bringt, um VR-Filmkunst voranzutreiben.

Kaelan weiß, dass das Publikum hohe Ansprüche an VR-Filme stellt. Die meisten Menschen, die mit Virtual Reality in Berührung gekommen sind, hätten lediglich monoskopische 360-Grad-Videos mit Google Cardboard oder Samsung Gear VR gesehen. Nach der anfänglichen Begeisterung über die Blickfreiheit würde die Erwartungshaltung jedoch rasch steigen.

“Vor zwei Jahren waren wir mit Virtual Reality immer noch auf dem Entwicklungsstand der Brüder Lumière. Arbeiter, die die Fabrik verlassen? Super! Ein Zug, der in den Bahnhof einfährt. Genial! Aber anders als beim frühen Kino hat das heutige Publikum extrem hohe Erwartungen an die erzählerische Komplexität und die visuelle Qualität eines Films”, sagt Kaelan in einem Interview mit dem American Film Institute.

Um diesen Erwartungen gerecht zu werden, würden VR-Filmer allzu oft auf bewährte Erzähltechniken des Kinos zurückgreifen. “Ich denke, unsere Aufgabe ist, die Regeln zu vergessen, die wir an andere Medien herantragen. Wir müssen versuchen, eine neue Art von Geschichtenerzählen zu erfinden. Sobald wir die neue Filmsprache meistern, werden die Zuschauer in Scharen kommen.”

Dokumentarfilmer und Theaterregisseure haben einen Vorteil

Laut Kaelan haben Filmemacher die größten Probleme, mit Virtual Reality zurechtzukommen. “Wir vermissen den Rahmen, wir vermissen die gestalterische Macht und wir vermissen den Schnitt. Und weil wir all diese Dinge vermissen, suchen wir nach Möglichkeiten, sie in die Virtual Reality zu übertragen”, sagt Kaelan.

Dokumentarfilmer würden bessere Voraussetzungen mitbringen, um in dem neuen Medium zu arbeiten. “Die 360-Grad sollten sich für Dokumentarfilmer viel natürlicher anfühlen. Du stellst deine Kamera auf und filmst die gesamte Umgebung. Klassische Filmemacher sind sich nicht gewohnt, Geschichten zu erzählen, die sich auf beiden Seiten der Sphäre abspielt.”

Künstler aus den Bereichen des Theaters und der Installation dürften sich ebenfalls wohler fühlen, glaubt Kaelan. “Sie machen sich Gedanken über räumliche Navigation und multisensorische Erfahrungen. Darüber, wie sich Dinge anfühlen und wie sie riechen. Diese Perspektive ist von unschätzbarem Wert in dieser frühen Phase der Virtual Reality.”

| Featured Image: Felix & Paul Studios / Oculus | Source: American Film Institute

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