Edward Saatchi arbeitete bei Oculus während Jahren an der Entwicklung einer VR-spezifischen Erzählkunst. Heute glaubt Saatchi nicht mehr, dass VR-Filme die Zukunft des Geschichtenerzählens sind. Für den Filmemacher sind sie lediglich eine Zwischenlösung bis interaktive AR-Charaktere erscheinen, die Menschen auf Schritt und Tritt durch den Alltag begleiten.

Saatchi ist ein Gründungsmitglied des Oculus Story Studio, das VR-Filme wie “Lost”, “Henry” und “Dear Angelica” schuf und 2017 überraschend von Facebook geschlossen wurde. Vor kurzem gründeten eine Reihe ehemaliger Mitarbeiter, darunter Saatchi, das Fable Studio. Das Ziel ist, die angefangene Arbeit fortzusetzen und VR-Filme mit hohem technischen und erzählerischem Anspruch zu kreieren.

Das erste Projekt heißt “The Wolves in the Walls”, eine VR-Adaption des gleichnamigen Kinderbuchs, das noch bei Oculus begonnen wurde. Es erzählt die Geschichte eines Mädchens, das Wölfe in den Wänden des Familienhauses entdeckt und ihre Eltern von der drohenden Gefahr überzeugen muss. Der VR-Zuschauer nimmt dabei die Rolle von Lucys imaginärem Freund ein, der dem Mädchen bei seiner Mission zur Seite steht.

Eine neue Herausforderung

Der Schwerpunkt des VR-Films liegt auf der Interaktion mit Lucy. Das virtuelle Mädchen spricht zum Zuschauer, reicht ihm Gegenstände und reagiert auf das, was er sich ansieht. Sie kann sich Handlungen des VR-Nutzer merken und bezieht sich im späteren Verlauf der Geschichte auf sie.

“Wir haben das Gefühl, als hätten wir nicht ein VR-Filmstudio gegründet, sondern ein Startup, das ein sehr komplexes technisches und künstlerisches Problem lösen will: einen interaktiven Charakter zu erschaffen”, sagt Saatchi gegenüber Engadget. Für den Filmemacher ist “The Wolves in the Walls” der erste Schritt in der Entwicklung einer virtuellen Persönlichkeit.

VR-Filme sind rückwärtsgewandt

Trotz dieser Interaktionsmöglichkeiten verläuft die Erzählung linear, wie bei herkömmlichen Filmen. Der Ausgang der Geschichte lässt sich nicht beeinflussen. Würde Saatchi ein neues Projekt anfangen, würde er die Sache anders angehen.

Der Filmemacher glaubt, dass sich VR-Filme noch zu stark an klassischen Filmen orientieren. “360-Grad-Filme sind in der Tat immersiver als 2D-Filmen, aber sie folgen größtenteils den gleichen Regeln. Selbst interaktive VR-Erfahrungen stützen sich oft auf klassische Filmtechniken anstatt sie zu erweitern.”

Charaktere statt Geschichten

Saatchi sieht in VR-Filmen eine Zwischenlösung, bis lebensechte, interaktive Charaktere erscheinen, die Nutzer über AR-Plattformen wie Hololens und Magic Leap One hinweg durch den Alltag begleiten. Saatchi denkt dabei an die KI Joi aus “Blade Runner 2049” oder die freche, kleine Videospielfigur aus Spike Jonzes “Her”.

“Ich stelle mir eine Welt vor, in der die grafische Benutzeroberfläche räumlicher Computer nicht an Minority Report oder Hololens erinnert. Aber was sehe ich stattdessen? Menschen. Anstatt ein abstraktes Interface, das an ein Eingabegerät gekoppelt ist, sehe ich einen interaktiven Charakter wie Alexa oder Siri”, sagt Saatchi.

Der Filmemacher sieht in The Wolves in the Walls die erste, frühe Version einer solchen Software. Der nächste Schritt bestehe darin, eine AR-Version von Lucy zu entwickeln, die Menschen identifizieren und mit ihnen interagieren kann. Erste Ansätze dazu sind in folgendem Trailer des Fable Studio dargestellt.

| Featured Image: Fable Studio (Screenshot) | Source: Engadget

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