0

VR-Investor prophezeit 360-Video-Blase, die bald platzt

von Matthias Bastian9. Juli 2017

Der Silicon-Valley-Investor Tipatat Chennavasin pumpt Geld in zahlreiche Virtual-Reality-Projekte. Bei 360-Videos ist er jedoch zurückhaltend. Er geht von einer Blase aus, die bald platzt.

Von allen Bereichen der VR-Branche bereite ihm der Markt für 360-Videos am meisten Sorge, so Chennavasin. Zwar würde Geld hineinfließen, aber bislang habe die Branche nicht bewiesen, dass sie finanziell auf eigenen Beinen stehen kann.

Bei Spielen sei die Zielgruppe bereit, Geld für Inhalte auszugeben. Nicht so bei 360-Videos. Er kenne kein Unternehmen für 360-Videos außerhalb der Pornoindustrie, das Einnahmen direkt über den Kunden erzielt. Die Finanzierung der Filmprojekte passiere stattdessen über Dritte, zum Beispiel Förderprogramme, Agenturen oder Unternehmen.

“Wenn wir dafür nicht schnell eine Lösung finden, dann ist es eine Blase, die endgültig platzt”, sagt Chennavasin. Die Refinanzierung über Werbung sei zwar eine Möglichkeit, aber nur bei entsprechender Reichweite. Es seien aber lange nicht genug VR-Brillen verkauft worden, um die Werbeökonomie in Gang zu setzen, so Chennavasin.

“Beim Gaming sehe ich Umsatzpotenzial, bei Videos nicht. Und das ist ein großes Problem”, sagt Chennavasin. An Video-Produzenten appelliert er, dass sie beweisen sollen, dass sie ihre Produkte direkt an Kunden verkaufen können, anstatt sich auf das Geld von Agenturen zu verlassen. “Diese Geldquelle wird austrocknen”, glaubt Chennavasin.

VR als Motor einer neuen Erfahrungsökonomie

Das volle Potenzial entfaltet VR laut Chennavasin dann, wenn reale Güter durch virtuelle Erfahrungen ersetzt werden. Er prophezeit den Wandel von einer Besitz- hin zu einer Erfahrungsökonomie, bei der sich Menschen nicht länger mit Gegenständen identifizieren, sondern mit Erlebnissen. Die VR-Brille könnte diesen Wandel unterstützen.

Wenn mit Besitz verbundene Erfahrungen virtuell authentisch reproduziert werden könnten, würden materielle Produkte als Möglichmacher der Erfahrung an Wert verlieren. Als Beispiel nennt er ein Luxusgut wie einen Ferrari.

Ein ähnliches Szenario beschrieb kürzlich der Journalist und Wired-Mitgründer Kevin Kelly. Er geht davon aus, dass mit VR eine neue Ökonomie rund um den Handel mit Erfahrungen wächst. Seine These diskutieren wir im VRODO-Podcast Folge 26 ab Minute 25:20.

| Source: The Voices of VR Podcast | Featured Image: Telekom

Empfohlene Artikel: