Vor fünfzig Jahren bauten Ivan Sutherland und Robert Sproull eines der ersten VR/AR-Head-Mounted-Displays, das als “Schwert des Damokles” in die Geschichte der Virtual Reality einging. Die Siggraph-Konferenz feiert das Jubiläum mit einer Ausstellung und einem Gastvortrag Sutherlands.

Auf Twitter sind erste Bilder der Ausstellung aufgetaucht. Zu den Exponaten gehören unter anderem VR-Brillen aus den frühen 90ern.

Ein für Forschungszwecke entwickeltes Gerät ist in schlichtem Weiß gehalten, wiegt 1,67 Kilogramm und hat ein Display verbaut, das mit 240 mal 120 Bildpunkten auflöst. Das Sichtfeld von 100 Grad ist mit heutigen VR-Brillen vergleichbar.

Das Gehäuse eines zweiten Geräts aus dem Jahr 1993 erinnert optisch an das DK1 der Oculus Rift, das zwanzig Jahre später erschien.

Ein massiver Prototyp

Das von Ivan Sutherland und Bob Sproull im Jahre 1968 gebaute Head-Mounted-Display gilt heute als eines der ersten voll funktionsfähigen VR/AR-Systeme. Es wurde von einer massiven Vorrichtung gehalten, die von der Decke hing.

Sutherland nannte das Gerät das “Schwert des Damokles” und bezog sich damit auf eine Geschichte aus der antiken Mythologie.

Einer der damals involvierten Ingenieure beschreibt, wie mulmig ihm dabei war, sich das Gerät auf dem Kopf zu montieren, da es eine Spannung von mehreren tausend Volt enthielt.

Blickte man durch die transparenten Gläser, sah man ein simples Gitternetz im Raum schweben. Die Bewegungen des Kopfes wurden mechanisch mittels der Gelenke der Vorrichtung und durch Ultraschall erfasst und auf das Gitternetz übertragen, sodass man das Gefühl hatte, ein im Raum verankertes Objekt zu sehen. Das stereoskopische Display verstärkte den räumlichen Eindruck.

Mit dem arbeiten, was verfügbar ist

Ivan Sutherlands Arbeit war eine der wichtigsten Inspirationsquellen des VR-Pioniers Jaron Lanier, der in den 80er Jahren mit VPL Research die ersten kommerziellen VR-Systeme entwickelte und den Begriff “Virtual Reality” prägte.

Sutherland gesteht bei seinem Vortrag, dass er diesen Namen merkwürdig findet. Es stelle ein Oxymoron dar, also einen in sich widersprüchlichen Begriff, was ihn möglicherweise so interessant mache.

Der Name passe außerdem nicht auf seine Erfindung: “Die eingeblendeten Objekte war weder sehr real, noch sehr immersiv. Es waren bloß leuchtende Linien im Raum”, sagt der heute 80-jährige Sutherland.

Auf die Frage, ob er rückblickend irgendetwas an dem Gerät anders konstruiert hätte, antwortet Sutherland: “Ingenieure müssen mit dem arbeiten, was verfügbar ist. Wir hatten damals keine Microchips und dergleichen.”

Robert Sproull ergänzt, dass man mit dem Projekt ein ganz bestimmtes Problem lösen wollte und dabei auf den Arbeiten anderer Forscher aufbaute.

Keine brillanten Erkenntnisse

Ob er denn die Arbeit an Head-Mounted-Displays nach dem Ende des Projekts weiterverfolgte, lautet eine andere Frage. “Ich hatte nicht viel über die Zukunft nachgedacht. Wer hätte gedacht, dass wir 50 Jahre später hier bei dieser Konferenz sitzen? Ich mit Sicherheit nicht. Das war Pionierarbeit, die niemandem viel nutzte. Und aus wissenschaftlicher Sicht gab es keine brillanten Erkenntnisse”, sagt Sutherland.

Das folgende Video zeigt die Veranstaltung in voller Länge. Im einleitenden Vortrag spricht der Computeringenieur Fred Brooks ab 5:10 über Entwicklungen in der Computergrafik, die Sutherlands Forschung vorangingen. Sutherlands Vortrag beginnt bei 18:00. Ab 51:00 verrät Bob Sproull technische Details zum Projekt. Fragen werden ab circa 1:20:00. beantwortet.

| Featured Image: Siggraph (Youtube-Screenshot)

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