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VR-Pornos: Frauen als Zielgruppe der Pornoindustrie

von Matthias Bastian23. März 2017

Die Virtual-Reality-Szene ist männlich dominiert. Es gibt kaum Frauen, die sich für VR-Brillen und noch spezieller VR-Pornos interessieren. In naher Zukunft wird sich das wohl nicht ändern.

Hartnäckig hält sich die Mär, dass Virtual-Reality-Technologie – oder überhaupt irgendeine Technologie – die Unterstützung der Pornoindustrie braucht, um erfolgreich zu sein.

Dabei gab es längst eine Umkehrung der Machtverhältnisse: Die Pornoindustrie braucht dringend neue Technologie, um wieder Einnahmen zu generieren. Seit das Internet voll ist mit Plattformen, die herkömmliche Pornos für lau anbieten, steckt die Branche in der Krise. Ihr fehlt das Produkt.

Kein Wunder also, dass sich viele Pornostudios auf die VR-Brille als neuen Heilsbringer stürzen. Das erste Mal seit Jahren kann die Industrie wieder Inhalte mit klarem Alleinstellungsmerkmal produzieren – und für teuer Geld verkaufen. Eine mögliche Zielgruppe bleibt dabei noch außen vor: Frauen.

Gegen den Trend

Und diese Zielgruppe dürfte kurzfristig schwer zu erreichen sein. Umfragen zeigen, dass es vor allem Männer sind, die Virtual Reality nutzen und dass Frauen sich kaum für die neue Technologie interessieren.

In China sind laut HTC zwölf Prozent der VR-Brillenbesitzer weiblich, im Highend-Bereich gar nur fünf Prozent. Wenn überhaupt greifen Frauen zu einfachen mobilen VR-Brillen mit dem Smartphone. Die wären gut genug für VR-Pornos, die speziell für Frauen produziert sind – wenn jemand solche Inhalte produzieren würde.

Cindy Gallop ist Gründerin des Unternehmens “Make Love Not Porn”, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, realitätsnahe Informationen zu Sexualität und authentische Pornos im Netz zu verbreiten. Die Unternehmerin will verstärkt Frauen ansprechen.

“Die Techmedien und die gesamte Techwelt sind männlich dominiert”, sagt sie gegenüber der Webseite The Independent. Sie bemängelt, dass viel mehr über Hardware und Pornos gesprochen würde als über Sexualität an sich.

Das führe dazu, dass immer höhere Summen in Inhalte und Sextechnologie investiert würden, die für Männer optimiert ist und Nutzer “in kleine virtuelle Welten treiben” statt Menschen zusammenzubringen. Mit ihrer Online-Bezahlplattform will die Werberin diesem Trend entgegenwirken.

Mit VR-Pornos auf sichere Weise Fantasien erforschen

Dr. Michael Aaron, Autor des Buches “Modern Sexuality: The Truth About Sex and Relationships”, geht davon aus, dass sich das Ungleichgewicht beim Konsum von VR-Pornos auf lange Sicht angleicht.

Aktuell seien VR-Pornos noch umständlich und teuer in der Produktion, sodass sich nur Mainstream-Filme rentieren würden. “Wenn der Markt stabil ist, wird es mehr authentische Pornos für alle Zielgruppen geben”, sagt Aaron.

Dennoch bestehe die Gefahr, dass Frauen bei der Sextechnologie abgehängt werden könnten. Die Gründer in diesem Bereich seien meist junge weiße Männer, die Produkte für Männer entwickeln würden. Gemeint sind beispielsweise aufwendige Teledildonics oder Sexroboter.

Kelly von AliceX, einer Webseite für Webcam-Erotik für die VR-Brille, fordert, dass mehr Frauen in der Industrie die Rolle als Entscheiderin übernehmen und nicht mehr ausschließlich vor der Kamera auftauchen.

Sie sieht bei VR-Pornos wesentliche Vorteile für Frauen: “Gibt es einen besseren Weg, Fantasien zu erforschen als von der Sicherheit des eigenen PCs aus? Man ist privat und anonym und VR gibt dennoch den Eindruck einer physischen Präsenz.” Sie glaubt, dass VR-Sex virtuell mehr Zweisamkeit biete als Masturbation, ohne die Risiken, die One-Night-Stands mit sich bringen.

Letzte Aktualisierung am 18.10.2017 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API / Preis inkl. MwSt., zzgl. Versandkosten

| Featured Image: Wankz VR

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