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VR-Startup Eonite will das Inside-Out-Tracking geknackt haben

von Matthias Bastian13. Januar 2017

Das VR-Startup Eonite möchte ein Inside-Out-Trackingverfahren entwickelt haben, das submillimetergenau und mit einer geringen Latenz arbeitet.

Könnte es tatsächlich sein, dass ein kleines Startup den großen Konzernen wie Intel, Qualcomm und gar Facebook ein gutes Stück voraus ist? An Selbstbewusstsein mangelt es Eonite jedenfalls nicht: Das Startup stellte die selbstentwickelte Hard- und Software fürs Inside-Out-Tracking einigen Journalisten von namhaften US-Medien wie Variety, Venturebeat und Wareable vor.

In der Pressemitteilung heißt es, dass das Trackingverfahren 15 Millisekunden benötigt, um eine reale Kopfbewegung vollständig in die Virtual Reality zu übertragen. Das ist flott – aber wohl nicht flott genug.

Denn die 15 Millisekunden müssen auf die Latenz des angeschlossenen VR-Systems aufgerechnet werden. In Kombination dürfte die magische Grenze von 20 Millisekunden – darüber werden Verzögerungen spürbar – überschritten werden.

“Ich wäre sehr überrascht, wenn es in zwei Jahren noch Systeme mit Outside-In-Tracking auf dem Markt gibt.” Youssri Helmy, Mitgründer von Eonite

Der Journalist von Wareable beschreibt Eonite als das präziseste Inside-Out-Tracking, das er bislang probiert hat. Er nennt es “extrem eindrucksvoll”. Vereinzelt käme es zu kurzen Rucklern, die laut den Entwicklern darauf zurückzuführen seien, dass das System für einen Moment von sechs auf drei Freiheitsgrade wechsle. Dieser Fehler soll bei der finalen Version behoben sein.

Auch Variety berichtet von einer akkuraten räumlichen Bewegungserkennung bei vereinzelten Aussetzern. Allerdings sei das demonstrierte Spiel eher einfach gewesen und das Unternehmen hätte vor der Demonstration die Rollläden im Zimmer geschlossen. Venturebeat bestätigt ebenso, dass das Trackingverfahren “im Großen und Ganzen gut” funktionieren würde.

Eonites Algorithmusexpertin arbeitete zuvor am selbstfahrenden Google-Auto

Youssri Helmy, Gründer von Eonite, strotzt vor Selbstbewusstsein: “Ich wäre sehr überrascht, wenn es in zwei Jahren noch Systeme mit Outside-In-Tracking auf dem Markt gibt.” Und weiter: “Wir bringen Maschinen bei, die Welt zu sehen.”

Mitgründerin von Eonite ist Anna Petrovskaya. Sie war als Wissenschaftlerin an der Stanford-Universität an der Entwicklung des Prototyps eines selbstfahrenden Autos beteiligt. Der Prototyp wurde später zum Google Auto. Als Spezialistin für das maschinelle Sehen war Petrovskaya verantwortlich für den Software-Algorithmus, der die Präzision des Eonite-Sensors ausmachen soll.

Eonite möchte die Technologie nicht in einer eigenen VR-Brille verbauen, sondern an Hersteller lizenzieren. Einmal ist das offenbar schon erfolgreich gelungen: In den kommenden Monaten soll eine stationäre VR-Brille eines noch unbekannten Herstellers erscheinen, der das neue Trackingverfahren beherrscht. Das Gerät soll es Nutzern erlauben, innerhalb von 60 Sekunden das eigene Wohnzimmer zu scannen.

Von der seltsamen Optik der Demoeinheit im Video sollte man sich nicht täuschen lassen. Die Sensorleiste von Eonite wurde mit Klebeband an HTC Vive angebracht. Wer glaubt, das sei unseriös, der sollte sich an frühe Demonstrationen von Oculus Rift erinnern. Der erste Prototyp der später erfolgreichen VR-Brille wurde ebenfalls von Klebeband zusammengehalten.

| Featured Image: Eonite | Source: Variety, Wareable, Venturebeat

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