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VR-Training: Mixed-Reality-Simulator für das britische Militär

von Matthias Bastian11. Juli 2016

Was The Void und Co. können, kann die britische Armee schon lange. Sanitäter sollen zukünftig in Mixed Reality den Umgang mit Stresssituationen lernen.

Bei der sogenannten Mapped- oder Mixed-Reality wird versucht, die Grenze zwischen der bekannten und der virtuellen Realität zu verwischen. Das gelingt, indem man eine reale Umgebung mit einem virtuellen Szenario passgenau überlagert. So kann man sich mit der VR-Brille auf dem Kopf ganz natürlich im Raum bewegen. Auch haptische Elemente sind vorhanden, denn jedes Objekt existiert in beiden Welten, sowohl in der virtuellen als auch der realen. Für den Heimgebrauch sind solche Simulationen zu aufwendig in der Umsetzung. Anders sieht es natürlich aus, wenn damit Soldaten trainiert werden sollen.

Die Universität Birmingham und das britische Verteidigungsministerium arbeiten an einer Mixed-Reality-Simulation, bei der Sanitäter virtuell die medizinische Erstversorgung von verletzten Soldaten in dem beengten Laderaum eines Chinook-Hubschraubers bewältigen müssen. Mit diesen Hubschraubern werden Kriegsopfer aus der Kampfzone in das nächste Krankenhaus transportiert. Sie müssen bereits auf dem Weg dorthin behandelt werden. Die virtuelle Simulation soll dabei den enormen Stresslevel authentisch wiedergeben, der in solchen Momenten auf die Sanitäter einwirkt.

Die Sanitäter tragen sowohl eine VR-Brille als auch spezielle Handschuhe, die einerseits dem Tracking dienen, andererseits die Interaktion mit der VR-Umgebung erlauben. Die reale Umgebung besteht aus einer aufblasbaren Kabine, die den Dimensionen der Ladefläche eines Chinook-Hubschraubers nachempfunden wurde. Die Sanitäter versorgen eine glaubhaft gestaltete und lebensechte Puppe, die real existiert und virtuell rekonstruiert wurde. Anhand der Puppe können verschiedene Kriegsverletzungen nachgestellt und deren Versorgung geübt werden. Zum Einsatz kommen VR-Brillen von Razer, die mit zusätzlichen Trackingmarkern versehen sind. Das Tracking übernimmt ein System von Optitrack. Auch die VR-Spielhalle The Void benutzt die Motion-Capture-Kameras von Optitrack.

So sieht die Simulationskabine von innen aus. Ofenbar kommen mobile VR-Brillen mit externen Sensoren und einer speziellen Trackingkamera zum Einsatz. Bild: Birmingham Universität

So sieht die aufblasbare Simulationskabine von innen aus. Bild: Birmingham Universität

Blick auf die Puppe, die auch in VR existiert. An den Handschuhen sieht man die Trackingmarker. Bild: Birmingham Universität

Blick auf die Puppe, die auch in VR existiert. An den Handschuhen sieht man die Trackingmarker. Bild: Birmingham Universität

Kriegserfahrung ohne Krieg zu erfahren?

Um die Glaubhaftigkeit der VR-Simulation zu erhöhen, sehen die Soldaten echtes Filmmaterial von Drohnen, wenn sie durch die Hubschrauberfenster schauen. Auch die Geräusche sind Originalaufnahmen aus einer Helikopterkabine.

“Die Art, wie das Team in extremen Stresssituationen und bei Hintergrundlärm miteinander kommuniziert, die enge Kabine, die komplexe medizinische Ausrüstung, die unterschiedlichen Verletzungen; das alles hat uns dazu gebracht, eine neue Mixed-Reality-Simulation zu entwickeln, bei der die besten Elemente der virtuellen Welt mit der physischen Welt vermischt werden”, sagt Professor Bob Stone vom Team für Human Interface Technology der Universität Birmingham. Die aktuelle Simulation würde zwar lange nicht an die Dynamik der realen Situation heranreichen, sei aber eine erste Machbarkeitsstudie.

| Source: The Telegraph | Featured Image: HIT, Universität Birmingham