Die Virtual-Reality-App VRChat ermöglicht es Menschen, sich digital zu begegnen. Einige der Nutzer berichten darüber, dass diese Begegnungen ihr Leben positiv beeinflussen. Sie lernen in einem geschützten Umfeld, soziale Ängste zu überwinden.

Menschen sitzen im Kreis und unterhalten sich über ihre Gefühle und Gedanken. Sie gestikulieren, nicken sich zu. Sie stehen auf, wenn sie etwas zu sagen haben und stellen sich gut sichtbar in den Raum. Manche wirken nervös und zittrig. So stellt man sich eine typische Gruppentherapie vor.

Auf den ersten Blick erinnert die virtuelle Gesprächsrunde in VRChat an dieses Klischee. Aber nur auf den ersten Blick. Denn vieles ist ganz anders – und genau das fasziniert die Nutzer.

Sie befinden sich zwar im gleichen Raum, allerdings nicht physisch, sondern rein virtuell als Avatare. Und sie kommen verkleidet: als Roboter, Astronauten, transsexuelle Schulmädchen, Fabelwesen, Videospielcharaktere. VRChat ist verdammt bunt und grell. Wer das Außergewöhnliche mag, wird dort Gleichgesinnten begegnen. Das macht die App für eine einschlägige Zielgruppe so interessant.

Und obwohl die Menschen, die sich dort unterhalten, über den gesamten Erdball verstreut sind, fühlen sie sich in der Virtual Reality nah beieinander, pflegen einen vertrauten Umgang. Die akkurate Darstellung der Körperbewegungen reicht aus, um sie spüren zu lassen: die sind wirklich da und hören aufrichtig zu. Hinter diesen Avataren stecken echte Menschen.

Der Mangel an Stofflichkeit steht einer guten Unterhaltung offenbar nicht im Wege. Im Gegenteil: Einigen Menschen scheint die Abwesenheit des eigenen Körpers zu helfen.

“Ich sehe, wie ihr lacht und euch dabei bewegt”

“Ich hätte nie gedacht, dass ich hier so viele Freunde finde”, sagt ein kleines braunes Männchen mit großen gelben Augen. “Die Menschen hier sind nicht so abstrakt wie in einem Forum oder in Videospielen. Ich sehe eure Körpersprache. Wenn ich einen Witz mache, sehe ich, wie ihr lacht und euch dabei bewegt.”

“Ich habe mit der Desktop-Version angefangen und ich hatte keine Vorstellung davon, wie nahe und freundlich VRChat in Virtual Reality sein kann”, sagt eine gesichtslose Frau mit zu kurzen Armen.

Ein Feenwesen ergänzt: “Ich hatte nie Freude an realen Beziehungen. Aber in VRChat habe ich mich daran gewöhnt, mit Menschen zu interagieren. […] Ich spüre, wie ich mich auch im echten Leben plötzlich wieder auf Menschen einlassen kann.”

Virtual-Reality-Chat als Sozialtherapie

“Ich habe mich in VRChat direkt zuhause gefühlt”, sagt ein Alien-Astronaut. “Als ich das erste Mal mit euch sprach, war ich nervös. Manchmal bin ich es immer noch. Aber als ich hier ankam, spürte ich, dass ihr ähnlich seid. Ich konnte mit euch reden.”

Ein Manga-Junge mit Hasenohren erzählt von seiner Sozialangst im echten Leben: “Manchmal werde ich in der Öffentlichkeit ohnmächtig. VRChat ist das Beste, was mir passieren konnte. Hier kann ich der sein, der ich wirklich bin. Im echten Leben geht das nicht.”

Seit er VRChat mit einer Oculus-Rift-Brille nutze, spüre er, dass sich die virtuelle Interaktion positiv auf sein Sozialverhalten in der Realität auswirkt. “Ich kann mich ein wenig öffnen und zum Beispiel in den Supermarkt gehen. Es hilft.” Er möchte lernen, Menschen im echten Leben ebenso offen zu begegnen wie in der Virtual Reality.

Initiiert wird die regelmäßige Gesprächsrunde vom VRChat-Nutzer Noah Robinson, der gerade seinen Doktor in klinischer Psychologie macht. Aus seiner Sicht beweisen solche Erzählungen, dass “überzeugende soziale Erfahrungen in der Virtual Reality die Psyche verändern”.

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