0

Mit Virtual Reality die Sinne des Zuschauers hacken

von Matthias Bastian7. Oktober 2015

Chris Milk ist einer der Vorreiter der 360-Filmszene. Der für seine Musikvideos bekannte Regisseur hat mit seiner Produktionsfirma VRSE bereits einige 360-Dokus gedreht, die großen Anklang gefunden haben. Wir berichteten schon über die Geschichte eines Flüchtlingsmädchen in Clouds over Sidra, die Zusammenarbeit mit der New York Times in Walking New York oder die Reportage über eine Ebola-Überlebende in Waves of Grace. Dass sie auch Unterhaltung können zeigten VRSE mit dem Horror-Kurzfilm Catatonic. Offenbar ist Milk durch seine bisherigen Erfolge nun so richtig angefixt. In einem Interview mit dem US-Online-Magazin Re/Code bezeichnete er Virtual Reality als “ultimatives Medium”. Mit dieser Meinung steht er übrigens nicht alleine da.

Ich denke nicht, dass es noch um Filme geht. Worüber wir sprechen ist das ultimative Medium für Erfahrungen, weil es sich anfühlt wie das echte Leben. Chris Milk ggü. Re/Code

Milk setzt sich ehrgeizige Ziele und will offenbar zu den ersten Filmemachern gehören, die Virtual Reality voll ausreizen. VR ist aus seiner Sicht kein Medium im klassischen Sinne, sondern ein Medium, dessen Existenz im Optimalfall nicht mehr wahrgenommen wird. Anstatt Inhalte über eine sichtbare Schnittstelle zu vermitteln, wie Monitor, TV, Papier oder durch Kopfhörer, haben die meisten VR-Projekte das Ziel, den Nutzer so gekonnt in eine andere Umgebung zu versetzen, dass dieser die Technologie überhaupt nicht mehr wahrnimmt. Ob man VR in ferner Zukunft tatsächlich noch als Medium bezeichnen sollte, darüber dürfen sich Medienhistoriker mit Philosophen streiten.

Ich möchte mein Publikum auf einer tiefen, menschlichen Ebene erreichen so wie es bisher mit keinem andere Medium möglich war. Wir nennen Virtual Reality auch “das finale Medium” […] im Endeffekt ist es ein Medium, das verschwindet, weil es kein Display mehr an der Wand gibt, kein Papier mehr, das man in der Hand hält. Es fühlt sich an wie das echte Leben. Chris Milk ggü. Re/Code

Milk hat guten Grund so kräftig am Hype-Rad zu kurbeln. Immerhin ist sein Unternehmen VRSE voll auf Virtual Reality ausgerichtet und der Wettbewerb schläft nicht. Erst kürzlich ist beispielsweise Disney in VR-Filme eingestiegen, auch Oculus und Facebook bauen ein eigenes Studio auf. Daneben tummeln sich zahlreiche kleinere Produktionsfirmen. Milk hat also ein großes Interesse daran, dass VRSE und seine Arbeit permanent in den Medien auftauchen – und das schafft man nicht mit leisen Tönen.

Mittelfristig arbeitet VRSE an der Vision, eine neue Art interaktiven Inhalts zu entwickeln, der irgendwo zwischen Film und Spiel liegt (Lies dazu auch: Virtual Reality ist niemals nur Film oder nur Spiel). Daher gibt es wohl auch Pläne eine eigene Software oder Plattform zu bauen, die diese speziellen VR-Erfahrungen möglich macht. VRSE Mit-Gründer Aaron Koblin ist davon überzeugt, dass es langfristig nicht mehr um Begriffe wie Virtual- oder Augmented-Reality geht, sondern um immersive Medien, die direkt alle Sinne des Nutzers ansprechen.

Wir entwickeln nicht einfach einen neuen Video Player, sondern wir beschäftigen uns mit den neuen Chancen für das Storytelling, wie wir Immersion richtig einsetzen können und wie wir diese neuen Inhalte aufbereiten müssen. […] Eigentlich geht es nur darum, die Sinne der Nutzer zu hacken und sie glauben zu lassen, dass sie an einem anderen Ort sind. Wie auch immer sich das in Zukunft entwickelt und verändert – wir planen uns ebenso zu entwickeln und zu verändern. Aaron Koblin ggü. Re/Code

Bei #VirtualReality geht es darum, die Sinne des Nutzers zu hacken. Klick um zu Tweeten

| SOURCE: Recode