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Wandelt Virtual Reality auf dem Pfad der Erleuchtung?

von Tomislav Bezmalinovic20. September 2017

Wandelt Virtual Reality nach dem großen Hype und der noch größeren Ernüchterung nun auf dem Pfad der Erleuchtung? Drei VR-Entwickler äußern sich zur Gegenwart und Zukunft der Technologie.

Preislich kam diesen Sommer viel Bewegung in die VR-Industrie. Mitte Juli reduzierte Oculus den Preis für die hauseigene VR-Brille um einen signifikanten Betrag. Die Konkurrenz aus dem Hause HTC und Sony reagierte darauf ebenfalls mit Preissenkungen. Der VR-Entwickler Jesse Schell sieht in dem plötzlichen Preisverfall nichts Schlechtes: “Dass Technologie günstiger wird, ist normalerweise ein Zeichen für Fortschritt und dafür, dass es gut um den Markt steht.”

Schells Studio entwickelte das VR-Spiel “I Expect You To Die”, das mehr als eine Million US-Dollar umgesetzt hat und damit zu den erfolgreichsten Titeln im VR-Spielesegment gehört. Laut Schell hat dieser Umsatz dennoch nicht gereicht, um die Entwickler in die Gewinnzone zu bringen. Für Schell heißt das jedoch nicht, dass sich die VR-Industrie Sorgen machen müsste und verweist auf Gartners Hype-Zyklus.

“Leute, die nichts von neuen Technologien verstehen, schätzen deren Auswirkungen viel zu hoch ein und werden wütend, wenn sie die unrealistisch hohen Erwartungen nicht erfüllen können. Erst nach der großen Ernüchterung passen sich die Erwartungen allmählich der Realität an und die Menschen finden heraus, worin die Technologie wirklich gut ist”, sagt Schell gegenüber Gamasutra.

Die Gegenwart ist hart für Entwickler

Dennoch gibt es in der Geschichte viele Beispiele für Technologien, die sich nicht durchgesetzt haben und wieder in der Versenkung verschwunden sind. Einer der häufigsten Vergleiche von VR-Skeptikern ist der zwischen Virtual Reality und 3D-Fernsehern.

Die Leiterin der Owlchemy Labs glaubt nicht, dass Virtual Reality das gleiche Schicksal wie 3D-Fernseher ereilen könnte: “Das Problem mit 3D-Fernsehern war, dass sie nur eine einzige Sache gut konnten. Virtual Reality hingegen hat das Potenzial, sehr viele Industrien zu verändern.” Das Studio hat mit “Job Simulator” eines der erfolgreichsten VR-Spiele geschaffen und wurde im Mai von Google aufgekauft.

Ein solcher Erfolg ist jedoch nur den wenigsten Studios beschieden. “Steam zufolge machen weniger als 10 Prozent der Spiele einen Umsatz von mehr als 250.000 US-Dollar. Das ist in etwa das Budget, das Indie-Entwicklern zur Verfügung steht, wenn sie ihre Investition zumindest wieder hereinholen wollen”, sagt Steve Bowler, Mitgründer der Cloudgate Studios.

Trotz der gegenwärtig schwierigen Lage glaubt der VR-Entwickler, dass sich Virtual Reality auf lange Sicht durchsetzen wird. Er war früher selbst VR-Skeptiker, bis er raumfüllende Virtual Reality erlebte. “Ich denke, es ist schwer, an der transformativen Kraft von Virtual Reality zu zweifeln, wenn man sie selbst einmal erlebt hat. Die wenigsten dürften nach einem solchen Erlebnis glauben, dass sie nur eine Modeerscheinung ist.”

| Featured Image: Ubisoft / VRODO | Source: Gamasutra

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