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Warum das selbstfahrende Auto ein wichtiger Pfeiler der Mixed Reality ist

von Matthias Bastian27. April 2017

Rein durch die Technikbrille betrachtet, könnte das kommende Jahrzehnt das vielleicht spannendste in der Geschichte der Menschheit werden. Aus einer Vielzahl Einzeltechnologien entstehen neue Produkte, die unseren Alltag potenziell massiv verändern.

Bei Linkedin beschreibt Daimler-CEO Dieter Zetsche die 3D-Karte als die Zukunft des autonomen Fahrens. Sie bilde die Grundlage für das Verhalten fahrerloser Autos, die eine Revolution in der Mobilität auslösen sollen.

Erstellt werden diese 3D-Karten aus einer Kombination unterschiedlicher Verfahren. Ein ganz entscheidender Bestandteil ist das autonome Auto selbst. Es hat 3D-Kameras und Sensoren verbaut, mit denen es die Umwelt ähnlich wie das menschliche Auge erfassen kann. Daimler demonstriert das Scanningverfahren in einem kurzen Video.

Für Earth VR, Googles beeindruckende Virtual-Reality-Weltenerkundung, kommen ähnliche Verfahren zum Einsatz, um Schritt für Schritt ein 3D-Modell der Umgebung zu konstruieren. Unter anderem sind 3D-Scanner an den bekannten Google-Fotoautos montiert, die die Straßen abfahren. Ergänzend nutzt Google tieffliegende Drohnen, die mit Fotokameras und 3D-Scannern ausgestattet sind.

Mit der neuesten Version der Anwendung beweist Google, dass basierend auf diesen Daten ganze Städte erstaunlich akkurat rekonstruiert und mit Virtual Reality oder zukünftig Augmented Reality begehbar gemacht werden können. Die Vision von Googles VR-Chef Clay Bavor: In Zukunft schauen wir keine Fotos oder Videos von entfernten Orten an, sondern besichtigen sie virtuell.

VR, AR und selbstfahrende Autos setzen auf dieselben Kerntechnologien

In seinem Text fragt Zetsche, was passiert, wenn solche Scanningverfahren permanent, flächendeckend und in großer Zahl angewandt werden: “Stellen Sie sich vor, wie es wäre, wenn wir mehr als nur wenige Quellen für die kartographische Erfassung der Welt hätten? Wenn alle von jedem einzelnen Auto auf jedem gefahrenen Kilometer gesammelten Daten erfasst und die Straßeninformationen kontinuierlich an andere Autos weitergeben würden?”

Zetsche glaubt, dass das Auto mit diesen Daten und künstlicher Intelligenz von einer tumben Maschine zum persönlichen Assistenten reift. Der VR- und AR-Industrie könnten die 3D-Informationen für eine dreidimensionale Rekonstruktion des Planeten dienen.

Ergänzend setzt das selbstfahrende Auto all jene Kerntechnologien voraus, die für die weitere Entwicklung von Virtual und Augmented Reality in den kommenden Jahren entscheidend sind.

An erster Stelle steht die Computer Vision (maschinelles Sehen), also die Fähigkeit von Maschinen, ihre Umgebung zu erkennen. Fortschritte in diesem Bereich sind wichtig für VR- und AR-Brillen, weil so die räumliche Orientierung der Geräte ohne externe Sensoren und Kabel möglich wird. Das selbstfahrende Auto wäre ohne Computer Vision nur ein Auto – ohne selbstfahrend.

Eben diese Computer Vision könnte eine Mixed Reality ermöglichen, bei der die reale und virtuelle Welt stufenlos und in allen denkbaren Variationen durchmischt werden. Über das Echtzeit-Scanning könnten reale Gegenstände in die virtuelle Welt integriert oder digitale Objekte passgenau in der realen Welt platziert werden.

Künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen unterstützen die Maschinensicht, erinnern und speichern die Umgebung, erkennen Muster, stabilisieren die räumliche Orientierung. Microsofts Hololens setzt auf dieses Lernverfahren und funktioniert verlässlicher in einer Umgebung, die das Gerät schon kennt.

So ergänzt sich die Forschung zu selbstfahrenden Autos und der Mixed Reality, die Branchen beschleunigen sich gegenseitig. Auf diese Art könnte die finanzstarke Automobilindustrie mit ihrer enormen Forschungskapazität einen großen Anteil daran haben, dass der technische Reifegrad von Virtual und Augmented Reality steigt und der Durchbruch wahrscheinlicher wird.

| Featured Image: Daimler (Screenshot bei YouTube)

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