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Warum eine Tischtennisplatte in Virtual Reality eine erstaunliche Sache ist

von Matthias Bastian23. Oktober 2016

Virtual Reality macht den Hobbykeller überflüssig: Die Tischtennisplatte passt jetzt bequem ins Wohnzimmer.

Mit Tischtennis habe ich in irgendeiner großen Pause in der Mittelstufe abgeschlossen, nachdem ich beim Rundlauf mal wieder viel zu früh rausgeflogen bin. In Ermangelung einer Arbeitsstelle im Silicon Valley sowie eines Hobbykellers ist Ping Pong seitdem nicht mehr in mein Leben getreten. Wer hat schon ausreichend Platz, um die wuchtige Platte im Wohnzimmer aufzustellen.

Ich möchte keinen Unsinn erzählen und behaupten, dass ich seit Jahren sehnlichst darauf warte, endlich wieder Tischtennis spielen zu können, hätte ich denn ausreichend Platz. Meine Psyche hat sich von den frühen Niederlagen erholt. Ich hege keinen Groll in mir und muss mich nicht erneut beweisen.

Folgerichtig ist es auch nicht der Sport, der mich an Table Tennis VR für HTC Vive so erstaunt und begeistert. Es ist vielmehr die Möglichkeit, eine Tischtennisplatte virtuell im Zimmer aufzustellen, ohne dass sie in der Realität Platz beansprucht.

Alles was man dafür tun muss: Man setzt die VR-Brille auf. Wenige Sekunden später serviert man den ersten Aufschlag in einer entspannten Loft-Umgebung. Wahlweise tritt man gegen den Computer, eine Ballmaschine oder einen menschlichen Gegner an. Natürlich darf man auch seine realen Freunde auf ein virtuelles Match einladen. Benutzt man Kopfhörer, kann sich nicht einmal der Nachbar oder der Arbeitskollege am nervigen Geräusch stören, wenn der Plastikball auf der Platte aufdotzt. Das ist genial einfach und unproblematisch.

Eine frühe Form der Mischrealitiät

Eleven: Table Tennis VR zeigt eindrucksvoll, wie die Virtual Reality den realen Lebensraum funktional erweitern kann. So eine Erweiterung ist eine neue Arbeitsumgebung, ein Musikraum voller Synthies aus den 80ern, ein Billardtisch oder die zuvor beschriebene Tischtennisplatte.

Mit der VR-Brille passen all diese virtuellen Erlebnisräume in meine kleine Wohnung und ich kann sie mit Fremden und Freunden auf der ganzen Welt teilen. Ist das nicht schon eine frühe Form einer Mischrealität und damit ganz erstaunlich? Viel näher an das Sci-Fi-Konzept des Beamens kommt die Menschheit zu meinen Lebzeiten wohl nicht mehr heran.

Speziell Tischtennis scheint wie gemacht für eine VR-Simulation, da der Sport auch in der Realität beinahe schwerelos ist. Der 3D-Controller von HTC Vive liegt fast wie ein echter Schläger in der Hand und zwei freie Quadratmeter dienen als ausreichend große Spielfläche. Sogar das schwache haptische Feedback der Vive-Stäbe simuliert überzeugend den Moment, wenn der leichte Plastikball auf die gummierte Schlagfläche trifft.

Es braucht wenige Sekunden und man vergisst, dass man eigentlich nur mit einem komischen Gerät auf dem Kopf im Wohnzimmer herumhampelt. Man sollte nur nicht versuchen, nach dem Match den Schläger auf dem Tisch abzulegen. Die Versuchung ist groß.

Nicht falsch verstehen: Als Trainingsgerät für einen ambitionierten Sportler ist die virtuelle Platte ganz sicher völlig ungeeignet. So jemand braucht den kompletten sensorischen Umfang und die hundertprozentig korrekte Ballphysik der Realität, um das eigene Spiel zu verbessern und maximale Freude daran zu haben. Aber für Rundlauf-Loser wie mich, reicht der virtuelle Abklatsch schon jetzt völlig aus.

Table Tennis VR überzeugt mein Gehirn vollends davon, dass ich gerade in einem Großstadt-Loft eine Runde Tischtennis verliere. Und Zuckerberg und Co. wissen sehr genau, warum sie die Telepräsenz als Killer-App für Virtual Reality ausrufen.

| Featured Image: Elevenvr