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Facebook F8: Was ist Realität?

von Matthias Bastian27. März 2015
"All reality is virtual." (Jeremy Bailenson)

Auf der F8-Konferenz von Facebook hielt Michael AbrashChefentwickler von Oculus VR, eine recht philosophische Ansprache. Anstatt über die neusten Produkte oder technische Spezifikationen zu sprechen, konzentrierte sich Abrash auf die Frage, was Realität begründet. Sein Tenor: Wir müssen in Zukunft neu darüber diskutieren, was “Realität” wirklich bedeutet. Kernthese seines Vortrags wurde das berühmte Film-Zitat aus “Matrix”:

“What is real? How do you define ‘real’? If you’re talking about what you can feel, what you can smell, what you can taste and see, then ‘real’ is simply electrical signals interpreted by your brain.” (Zitat aus Matrix, Morpheus)

In Matrix leben die Menschen in einer rein virtuellen Realität, ohne, dass ihnen dieser Zustand bewusst ist. Nur einige wenige “Auserwählte” kennen die Wirklichkeit und versuchen andere Menschen aus der virtuellen Realität zu befreien. In der oben beschriebenen Szene wird Hauptcharakter “Neo” vor eine schwerwiegende Entscheidung gestellt: Bleibt er in der virtuellen Realität oder sucht er den Weg zurück in die reale, mittlerweile unwirtliche Welt.

Abrash geht davon aus, dass bei einer überzeugenden Täuschung unser Gehirn chancenlos ist zwischen virtueller und herkömmlicher Realität zu unterscheiden. Als Beispiel führt er das virale Phänomen “The Dress” an: Tagelang stritten sich Menschen im Internet darüber, ob das Kleid nun weiß und gold oder blau und schwarz sei. Abrash beschreibt unser Gehirn als “Interpretationsmaschine” und nicht als “objektiven Beobachter”. Es zieht Daten aus seiner Umwelt und versucht aus diesen eine Wirklichkeit zu rekonstruieren. Ob diese nun existiert – oder auch nicht. Bestes Beispiel: Auf unserer Netzhaut befindet sich ein blinder Fleck, den unser Gehirn dauerhaft ausblendet. Wir sehen ihn nicht, obwohl er existiert. Um seinen Standpunkt zu verdeutlichen, zeigt Abrash weitere Beispiele für alltägliche, optische Täuschungen und führt das Publikum an der Nase herum.

“Reality is what our brain reconstructs it to be. Our experience of the world is an illusion, one that evolution has honed to be highly functional. […] Experiences are nothing more or less when whatever your mind infers from the data it receives.” (Abrash, ab 1:04:00)

Die optischen Täuschungen von Abrash sind in diesem Video zusammengefasst:

Nach Abrash ist virtuelle Realität dann, wenn sie “richtig gemacht  wird”, nicht mehr von unserer gängigen Definition von “Realität” zu unterscheiden. Dafür sei es aber nicht nötig, dass unsere reale Welt 1:1 abgebildet wird – die präsentierte Welt muss nur in sich überzeugend sein und unsere “Sensoren” ausreichend gut täuschen. Dafür sei es wichtig, dass bestimmte technische Voraussetzungen erfüllt werden, wie etwa eine hohe Bildwiederholungsrate und geringe Latenzen. “Das tolle an der aktuellen VR-Technik ist: Wir können noch viel, viel besser werden”, so Abrash.

Hier die Keynote von Michael Abrash von Oculus VR im Original: