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Weitere 827 Millionen US-Dollar für Magic Leap

von Matthias Bastian10. Dezember 2015

Laut einem Bericht von Forbes bekommt das kalifornische Unternehmen Magic Leap weitere 827 Millionen US-Dollar von Investoren, um die noch geheime Augmented-Reality-Technologie weiterzuentwickeln. Möglicherweise steigt die Summe noch, die neue Finanzierungsrunde ist offenbar noch nicht abgeschlossen. Damit konnte Magic Leap bisher rund 1,4 Milliarden US-Dollar an Investorengeldern einsammeln. An der Spitze der Investorenliste: Google.

Die neuerliche Investition würde den Gesamtwert des Unternehmens auf rund 3,7 Milliarden US-Dollar anheben – ohne, dass bisher ein einziges Produkt verkauft oder öffentlich demonstriert wurde. Das macht Magic Leap zu einem der am besten finanzierten Start-Ups überhaupt. Die Geldgeber der neusten Finanzierungsrunde sind noch nicht bekannt, laut dem Online-Magazin Re/code ist der eCommerce-Riese Alibaba aus China mit 200 Millionen US-Dollar eingestiegen. Sundar Pinchai, CEO von Google, sitzt außerdem im Aufsichtsrat von Magic Leap.

Offenbar arbeitet das US-Unternehmen an einem neuartigen Chip, der digitalisierte Lichtfelder in das Sichtfeld des Brillen-Nutzers rendern kann. Bei dem Chip soll es sich laut Magic-Leap-Gründer Rony Abovitz um eine komplette Neuentwicklung handeln. Die digitalen Darstellungen sollen deutlich glaubwürdiger und echter aussehen, als das, was man bisher aus dem VR- und AR-Bereich kennt, glaubt man bisherigen Testern der Demo-Einheit. Außerdem soll der Grad der Immersion, also die Durchsichtigkeit der digitalen Einblendungen, justierbar sein, was Magic Leap zu einer Art Mixed-Reality-Gerät machen würde – der Wechsel zwischen virtueller und augmentierter Realität wäre nahtlos möglich. Auch Microsofts Hololens soll nach einem ähnlichen Prinzip funktionieren und vor wenigen Tagen erst wurde Amazon ein Patent für eine Augmented-Reality-Brille genehmigt, in dem eine Funktion namens “Immersion Control” beschrieben wird, mit der sich die Transparenz der digitalen Einblendungen einstellen lässt.

Laut eigenen Angaben ist die Technologie von Magic Leap bereits soweit fortgeschritten, dass man sich intern auf die Produktion vorbereitet. Unklar ist, ob damit nur ein Chip oder ein komplettes Gerät für Endkunden gemeint ist. Das Unternehmen demonstriert in der Öffentlichkeit großes Selbstbewusstsein, so äußert beispielsweise Rio Caraeff, der bei Magic Leap die Entwicklung neuer Inhalte verantwortet, im Oktober gegenüber The Verge: “Unser Ziel ist es, eine Plattform für optische Computer zu entwerfen. […] Alles was man mit einem Smartphone machen kann, kann man auch mit Magic Leap machen.”

“Wir bereiten uns gerade darauf vor, Millionen von diesen Dingern zu produzieren.” Rony Abovitz, CEO von Magic Leap via The Verge

Im November legte Produktmanager Jeff Gattis nach, ehemals verantwortlich für HTC VIVE und erst seit einigen Monaten bei Magic Leap: “Magic Leap wird unseren Alltag verändern und es ist etwas, was wir immer mit uns tragen können wenn wir uns durch die Welt bewegen. Intern sprechen sie darüber, dass Magic Leap Displays ersetzen soll. […] Wir möchten etwas erschaffen, das die Welt verändert.” Auch auf der eigenen Webseite zeigt Magic Leap verschiedene Illustrationen, nach denen die neue Augmented-Reality-Brille kein Nischenprodukt für Games oder die Industrie sondern eine Allzweckwaffe im Alltag werden soll. Als Beispiele neben Entertainment werden Lernen, Social-Anwendungen und Kreation genannt. Die zuletzt aufgetauchte Demo, im Video unten, sieht zwar gut aus, ist aber auch deutlich unspektakulärer als das gerenderte Konzeptvideo, mit dem Magic Leap im März dieses Jahres erstmals auf sich aufmerksam machte.

Facebook setzt erstmal auf Virtual Reality und forscht weiter

Auf der Investorenliste für Magic Leap fehlt ein großer Name: Facebook. Dabei ist Facebook-Chef Marc Zuckerberg großer Fan von neuen virtuellen Technologien und lässt keine Gelegenheit aus, Virtual- und Augmented-Reality als die Zukunft neuer Computer-Interfaces zu loben.Im März 2014 legte er zwei Milliarden US-Dollar auf den Tisch, um Oculus VR aufzukaufen. Seine Motivation: Auf keinen Fall “das nächste große Ding” verpassen; ein Fehler, der ihm seiner Ansicht nach bei Smartphones unterlaufen sei. Allerdings kennen wir von Oculus VR bisher nicht mehr als Oculus Rift, eine VR-Brille, die speziell für die PC-Gaming-Nische produziert wird – gegenüber den Tönen, die man aktuell aus Kalifornien rund um Magic Leap hört, klingt das wenig spektakulär. Allerdings forschen Facebook und Oculus VR ebenfalls schon an potenziellen Nachfolgetechnologien für die kommenden VR-Brillen, die nicht nur mobil sondern auch deutlich kleiner und leichter werden sollen. Auch Oculus-Rift-Erfinder Palmer Luckey geht davon aus, dass die Zukunft von virtuellen Technologien im mobilen Bereich liegt.

| VIA: Forbes
| FEATURED IMAGE: Magic Leap (Screenshot der Webseite)