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Weshalb Cryteks Krise kein gutes Signal an die VR-Industrie aussendet

von Tomislav Bezmalinovic20. Dezember 2016

Mit “The Climb” und “Robinson: The Journey” produzierte Crytek bereits zwei hochwertige Titel für die Virtual Reality. Es ist somit eines der wenigen großen Studios, das den Mut hatte, in das neue Medium zu investieren, obwohl dieses noch keinen nennenswerten Markt erschlossen hat. Nachdem seit längerem Gerüchte die Runde machten, dass es um die Spieleschmiede finanziell nicht gut steht, bestätigt jetzt eine Pressemitteilung, dass dem Unternehmen eine einschneidende Restrukturierung bevorsteht.

In der Pressemitteilung schreibt Mitgründer und CEO von Crytek, Avni Yerli: “Unser Fokus liegt jetzt gänzlich auf den Kernstärken, die Crytek definiert haben: Entwickler von Weltklasse, Spitzentechnologie und innovatives Spieldesign. Wir glauben, dass der Weg durch diesen schwierigen Prozess uns agiler, tragfähiger und attraktiver machen wird, um für zukünftigen Erfolg gerüstet zu sein.”

In der Pressemitteilung steht ferner, dass Crytek seine Studios in Budapest, Sofia, Seoul, Shanghai und Istanbul schließen wird. Das Unternehmen will helfen, die Arbeitsplätze der dortigen Mitarbeiter zu sichern. Nur an den Standorten in Frankfurt und Kiew wird Crytek noch aktiv bleiben. Die verbleibenden zwei Studios werden an bekannten Marken arbeiten und die hauseigene Cryengine weiterentwickeln.

Eurogamer zufolge habe das Studio seit Mai 2016 Schwierigkeiten gehabt, seinen Mitarbeiter das Gehalt auszuzahlen. Deswegen hätten sich viele von ihnen entschieden, das Unternehmen zu verlassen. Dass das Studio in finanzielle Nöte geraten würde, hat sich wahrscheinlich schon zu einem weitaus früheren Zeitpunkt abgezeichnet. Bereits 2014 war das Unternehmen kurz vor der Pleite.

Deshalb überrascht es umso mehr, dass Crytek Ressourcen in die Entwicklung von VR-Spielen gesteckt hat, obwohl für diese praktisch kein Markt existiert. Die Spiele dürften, selbst wenn sie sich vergleichsweise gut verkauft hätten, kaum profitabel gewesen sein. In diesem Fall hätten sie den finanziellen Zusammenbruch beschleunigt.

Womöglich spekulierte Crytek mit den Spielen darauf, die Cryengine als führende VR-Entwicklungsumgebung zu etablieren. Die Spiele hätten in diesem Fall den Zweck gehabt, VR-Entwicklern die hauseigene Engine schmackhaft zu machen. Crytek dürfte in nächster Zeit jedenfalls keine weiteren VR-Projekte mehr in Angriff nehmen. Das ist schade und sendet kein gutes Signal an die VR-Industrie aus.

Unsere Testberichte zu The Climb und Robinson: The Journey sind hier und hier zu finden.

| Featured Image: Crytek

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