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Windows Mixed Reality: Die wichtigsten Fakten im Überblick

von Tomislav Bezmalinovic4. Oktober 2017

Am 17. Oktober fiel der Startschuss für Windows Mixed Reality. Wir geben Antworten auf die häufigsten Fragen.

Letztes Update: 10. November 2017

Was ist Windows Mixed Reality?

Windows Mixed Reality ist eine neue Softwareplattform für Windows 10, die das Betriebssystem auf neue Technologien wie Virtual und Augmented Reality vorbereitet.

Die Technologien verbindet, dass sie digitale Inhalte nicht mehr flach, sondern räumlich begreifen. Microsofts Vision ist eine digitale 3D-Umgebung mit einheitlichem Interface, auf die man sowohl mit VR- als auch mit AR-Brillen wie Microsofts hauseigener Hololens zugreifen kann. Diese Vision beschrieb Microsoft erstmals in einem Werbevideo im Sommer 2016 (siehe folgendes Video).

Microsoft startete am 17. Oktober mit dem Verkauf von VR-Brillen, die eigens für Windows Mixed Reality entwickelt wurden. Die Geräte werden nicht von Microsoft, sondern von diversen Hardwarepartnern hergestellt und verkauft.

Weshalb spricht Microsoft von Mixed Reality?

Mixed Reality ist Microsofts Oberbegriff für Technologien wie Virtual und Augmented Reality. Unter ihn fallen sämtliche Mischformen aus realer und digitaler Welt. Im Video unten verdeutlicht Microsoft dieses Konzept einer neuen Computerplattform, die einen stufenlosen Wechsel zwischen realer, digital erweiterter und rein virtueller Umgebung erlaubt.

Dass Microsoft die kommenden VR-Brillen als Mixed-Reality-Geräte bezeichnet, ist hingegen irreführend, weil sie lediglich die vollimmersive Virtual Reality beherrschen und (noch) nicht dazu gedacht sind, Elemente der digitalen und realen Welt zu vermischen.

Dass Microsoft von Mixed-Reality-Brillen spricht, begründet Microsofts PR-Manager Greg Sullivan damit, dass die Brillen ihre Umgebung dank integrierter Kameras wahrnehmen und damit Elemente der realen Welt in die Simulation integrieren. Darüber lässt sich streiten. Sicher ist, dass Microsoft eine Technologie anstrebt, die Elemente der realen und digitalen Welt stufenlos miteinander vermischt. Solche Geräte sind jedoch noch in weiter Ferne.

Welche VR-Brillen gibt es für Windows Mixed Reality?

Am 17. Oktober 2017 veröffentlichte Microsoft das vierte große Update für Windows 10. Das sogenannte “Fall Creators Update” bringt volle Softwareunterstützung für die VR-Brillen, die von diversen Hardwarepartnern für Windows Mixed Reality produziert werden.

Auf der folgenden Tabelle sieht man die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen bereits erschienenen und angekündigten VR-Brillen und den Geräten von Oculus und HTC, die bereits seit dem Frühjahr 2016 auf dem Markt erhältlich sind und ihre eigene Plattform (Steam und Oculus Store) haben.

Achtung: Die Daten beruhen auf Herstellerangaben. Bevor die Geräte nicht von uns getestet wurden, können wir nicht für die Korrektheit dieser Informationen bürgen. Die Tabelle wird laufend aktualisiert und ergänzt.

Vergleichstabelle zu den VR-Brillen für Windows Mixed Reality

Vergleichstabelle zu den VR-Brillen für Windows Mixed Reality

Bis auf Samsung Odyssey haben alle Geräte mehr oder weniger die gleichen Spezifikationen. Sie unterscheiden sich vor allem durch die Bauform des Gehäuses.

Samsungs Gerät sticht durch ein etwas höher aufgelöstes OLED-Display, ein weiteres Sichtfeld, integrierte Kopfhörer und einen manuell einstellbaren IPD-Wert aus der Masse der Windows-Brillen heraus. Dafür kann man bei Odyssey das Visier nicht hochklappen.

Das Gerät von Medion ist baugleich zum Lenovo Explorer und hat nur eine andere Farbe.

Was für einen Computer benötigt Windows Mixed Reality?

Microsoft teilt kompatible Rechner in zwei Kategorien ein (siehe Tabelle).

In die erste Kategorie fallen PCs, die die Minimalanforderungen erfüllen. Wer einen Rechner dieser Kategorie verwendet, muss mit Einschränkungen bei der Darstellung von Windows Mixed Reality rechnen. So werden VR-Inhalte nur mit 60 statt 90 Bildern pro Sekunde angezeigt, was Übelkeit verursachen kann.  Zusätzlich wird die Multi-Tasking-Fähigkeit des Rechners stark eingeschränkt und es können nur eine sehr begrenzte Anzahl Programme parallel betrieben werden.

Bei PCs der Ultra-Kategorie fallen diese Einschränkungen weg.

Microsoft stellt Nutzern eine Windows-App zur Verfügung, mit der sich überprüfen lässt, ob der eigene PC genug Leistung für die neue Plattform bietet. Die App findet man hier. Genauere Informationen zu den Spezifikationen sind hier zu finden.

Windows Mixed Reality PCsWindows Mixed Reality Ultra PCs
BetriebssystemWindows 10 Fall Creators Update – Home, Pro, Business, EducationWindows 10 Fall Creators Update – Home, Pro, Business, Education
Prozessorab Intel Core i5 7200U (Notebook-Prozessor) oder Dual-Core-Prozessor mit Hyper-Threading Technologyab Intel Core i5 4590 oder Quad Core AMD Ryzen 5 1400 3,4 Gigahertz
Arbeitsspeicher ab 8 GB DDR3 Dual Channelab 8 GB DDR3
Festplattenplatz mindestens 10 GB mindestens 10 GB
Grafikkarteab Integrated Intel HD Graphics 620ab NVidia GTX 960/1050 oder AMD RX 460mit diskreter DX12-fähiger GPU
Videoanschlüsse1 x  HDMI 1.4 oder 1 x Display Port 1.2 1 x  HDMI 2.0 oder 1 x Display Port 1.2
USB-Anschlüsse1 x USB 3.0 Typ-A oder Typ-C 1 x USB 3.0 Typ-A oder Typ-C
BluetoothBluetooth 4.0 Bluetooth 4.0

Wie viel kosten die VR-Brillen und wann erscheinen sie?

In der folgenden Tabelle sieht man die bereits erhältlichen VR-Brille samt Preis und Link zum jeweiligen Store.

ErscheinungsdatumPreisMicrosoft Store
Acer 17. Oktober 2017 450 Euro Link
Asus Frühjahr 2018  – –
Dell Visor 17. Oktober 2017 505 Euro Link
HP 17. Oktober 2017 450 Euro –
Lenovo Explorer 17. Oktober 2017 450 Euro Link
Samsung Odyssey –  – –

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Laut Samsung soll die hauseigene Windows-Brille nicht in Europa erscheinen. Gründe gibt das Unternehmen nicht an.

Wie sieht Windows Mixed Reality aus?

Startet man in die Windows Mixed Reality, hat man nicht den klassischen Windows-Desktop vor sich, sondern findet sich in einer dreidimensionalen, digitalen Umgebung wieder, die zum Portal für sämtliche Anwendungen wird (siehe folgendes Video).

Zur Auswahl stehen sowohl herkömmliche 2D-Apps wie Word oder Excel als auch für Virtual Reality optimierte 3D-Anwendungen. Flache Inhalte werden auf einem virtuellen Screen angezeigt.

Die Mixed-Reality-Umgebung ist derzeit einem offen gebauten und begehbaren Wohnraum mit Meerblick nachempfunden (“Cliff House”). Hier lassen sich Anwendungen an Wände pinnen oder der Windows-Desktop anzeigen. In einem Kinosaal kann man sich Filme oder Fernsehshows ansehen. Das folgende Video zeigt die Umgebung im Detail.

Welche Software bietet Windows Mixed Reality?

Interessanter als klassische 2D-Apps sind Anwendungen und Spiele, die speziell für Virtual Reality entwickelt wurden.

Zum Launch von Windows Mixed Reality stehen mehr als dreißig VR-Spiele und -Plattformen bereit, darunter viele, die bereits für HTC Vive und Oculus Rift erhältlich sindl (Stand: 17. Oktober 2017, Quelle: Heise.de):

Spiele:

  • Arizona Sunshine (Zombie-Shooter, 24,99€)
  • Superhot VR (origineller Zeitlupen-Shooter, 24,99€)
  • Fantastic Contraption (Knobelspiel, 19,99€)
  • Skyworld (clevere Mischung aus Runden- und Echtzeitstrategie, 39,99€)
  • Space Pirate Trainer (Wave-Shooter, 14,99€)
  • Form (surreales Adventure, 14,99€)
  • Ghostbusters VR – Now Hiring, Chapter 1 (Action-Spiel, 6,99€)
  • Halo Recruit (Actionspiel, gratis)
  • HeadSquare (Multiplayer-Geschicklichkeitsspiel, 4,99€)
  • Heroes of the Seven Seas (Piraten-Rollenspiel, 6,99€)
  • Dreadhalls (Horrorspiel, 9,99€)
  • Hypercade (Arcadespiel, 4,99€)
  • Racket: NX (Arcade-Sportspiel, 19,99€)
  • Tee Time Golf (Sportspiel, 14,99€)
  • BingoClass (Lernspiel, gratis)
  • Stunt Kite Masters (Sportspiel, 9,99€)
  • InVokeR (Magier-Kampfspiel, 14,99€)
  • Dark Legion (Shooter, 16,99€)
  • Headbutt Factory (Action-Adventure, 19,99€)
  • GunSpinning VR (Rail-Shooter, 5,99€)
  • Luna (Musikspiel, 14,99€)

Social VR:

  • vTime (soziales Netzwerk, gratis)

Videoplattformen:

  • Littlstar VR Cinema (360-Grad-Video-Plattform, gratis)
  • Inception VR (360-Grad-Video-Plattform, gratis)
  • NextVR (360-Grad-Video-Plattform, auf Sport fokussiert, gratis)
  • Sliver.tv (360-Grad-Video-Plattform, fokussiert auf E-Sports, gratis)
  • Ryot (360-Grad-Video-Plattform, gratis)
  • Pixvana 360 Video Player (360-Grad-Video-Player, gratis)
  • Youku VR Pro (360-Grad-Video-Plattform, gratis)

VR-Erfahrungen und -Filme

  • Free the Night (interaktiver Film)
  • theBlu: Season 1 (interaktiver Tauchgang, 9,99€)
  • The Rose and I (Animierter VR-Film, gratis)
  • HoloTour (interaktiver Reiseführer, gratis)
  • Land of Dinosaurs VR (Dinosaurier-Erfahrung, 2,99€)
  • Hologramme (3D-Objekt-Datenbank, gratis)

Sonstiges:

  • MoveStudio (surreale Tanzsimulation, gratis)
  • Masterpiece VR (Objekt-Design-Tool, 29,99€)

Laut Microsoft erhalten Nutzer von Windows Mixed Reality ab dem 15. November Zugang zur SteamVR-Plattform, der größten Softwarebibliothek für VR-Anwendungen. Da es sich um eine offene Beta handelt, werden von Beginn weg nicht alle VR-Apps für Windows Mixed Reality optimiert sein. Da Microsofts Plattform andere Controller nutzt, kann es sein, dass die Knöpfe nicht optimal belegt sind und dass die Bewegungserfassung noch nicht so funktioniert, wie sie sollte.

Offen ist, ob es Nutzer möglich sein wird, auf Inhalte im Oculus Store zuzugreifen. Die Plattform unterstützt offiziell nur Oculus Rift. Über den Revive-Hack, der ursprünglich für HTC Vive entwickelt wurde, könnten Nutzer dennoch eingeschränkt auf dortige Exklusivinhalte Zugriff erhalten.

Windows-VR-Brille statt HTC Vive oder Oculus Rift kaufen?

Tracking: Vorteile und Nachteile

Der größte Vorteil der Windows-Brillen ist das integrierte Trackingsystem. Die Geräte orientieren sich über zwei im Gehäuse integrierte Kameras im Raum. Deshalb muss man anders als bei Oculus Rift und HTC Vive keine externen Kameras oder Basisstationen aufbauen. Die Windows-Brillen werden über ein HDMI- und USB-Kabel mit dem PC verbunden und sind danach in wenigen Minuten eingerichtet und funktionsbereit.

Die VR-Controller werden über die Frontkameras der VR-Brille räumlich erfasst. Das hat einen Nachteil: Wenn sie aus dem Sichtfeld der Kameras geraten, funktioniert die Bewegungserfassung nur noch eingeschränkt (siehe Video). HTC Vive und Oculus Rift (mit 3-Sensor-Setup) haben diesen Nachteil nicht.

Displays, hochklappbares Visier und Preis

Bei der Auflösung der Displays haben die Windows-Brillen die Nase leicht vorne, sie bieten (mit Ausnahme von Samsung Odyssey) jedoch nur einen LC- und keinen OLED-Screen. OLED-Displays sind normalerweise die erste Wahl für Virtual Reality, weil bei ihnen keine Nachzieheffekte auftreten, außerdem bieten sie sattere Farben und bessere Schwarzwerte. Verbesserungen in der LCD-Technologie sollen diese Nachteile jedoch ausgleichen können.

Ein weiterer Vorteil der Windows-Geräte ist das hochklappbare Visier (mit Ausnahme von Samsung Odyssey). Damit kann man schnell zwischen virtueller und realer Welt wechseln, ohne die VR-Brille ablegen zu müssen.

Beim Marktstart bieten die Windows-Brillen zusammen mit Oculus Rift den günstigsten Einstieg in hochwertige, PC-basierte Virtual Reality. Für 450 Euro erhält man VR-Brille und VR-Controller in einem Paket. HTC Vive ist mit 700 Euro für VR-Brille und VR-Controller zwar teurer, bietet jedoch das fortschrittlichste Trackingsystem.

Zurzeit erscheinen die ersten ausführlicheren Tests zu den Windows-Brillen und Microsofts VR-Controllern, die offene Fragen zur Präzision und Verlässlichkeit des Trackings und der Qualität der Displays beantworten. Eine Liste von Tests findet man unten.

Software und Plattformkompatibilität

Auf Seiten der Software hat Oculus Rift derzeit das beste Angebot. Mit der Rift-Brille kann man einerseits auf SteamVR zugreifen, andererseits bietet der Oculus Store viele hochwertige Exklusivtitel. Nutzer von HTC Vive können dank dem Revive-Hack zwar ebenfalls die meisten Exklusivtitel aus dem Oculus Store spielen, die sind jedoch nicht für die Vive-Controller optimiert.

Windows Mixed Reality hat derzeit nur sehr wenig VR-Software im Angebot (siehe oben). Die Betaphase der SteamVR-Unterstützung beginnt am 15. November. Kann man mit Windows-Brillen erst einmal auf SteamVR zugreifen, sollte man mit dem Revive-Hack früher oder später ebenfalls exklusive Titel aus dem Oculus Store spielen können.

Vollkommen offen ist noch, ob man mit Oculus Rift und HTC Vive auf die Windows-Mixed-Reality-Plattform Zugriff erhalten wird, um dortige Exklusivsoftware zu nutzen.

Erste Tests

Testvideos:

Testberichte:

| Featured Image: Microsoft

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