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Wird das Room-Scale-Zimmer das neue Fernsehzimmer?

von Matthias Bastian6. Juni 2016

Ein Architekturbüro in Seattle bekommt bereits Anfragen für “Room-Scale”-Zimmer.

Während für die meisten Kinderkrankheiten von Virtual Reality, beispielsweise die noch geringe Auflösung, die benötigte Performance, 3D-Interfaces oder die noch beschränkte Sichtfeldweite bereits Lösungen in Aussicht sind, ist die bislang schwierigste Frage weitgehend ungelöst: Wie bewegen wir uns in Virtual Reality am besten fort? Gamepads und andere künstliche Fortbewegungsmethoden, von Cockpit-Simulationen einmal abgesehen, sind auf lange Sicht jedenfalls keine probate Lösung, da sie wie gehabt Übelkeit auslösen können und nicht besonders immersiv sind.

Zumeist frei von Übelkeit und ziemlich natürlich ist Valves und HTCs “Room-Scale-VR”, bei dem der eigene Körper samt Bewegungen exakt in die virtuelle Welt übertragen wird. Der Nachteil: Mit bis zu 4m x 4m Meter verbraucht das System schon recht viel Platz im Haus oder in der Wohnung und das obwohl die 16m² in einer weiten virtuellen Welt eigentlich noch viel zu wenig Raum für Bewegung bieten. Ein Großteil der Vive-Nutzer begnügt sich noch dazu mit deutlich weniger Platz und reizt das Trackingsystem lange nicht aus.

Zumindest das könnte sich ja in Zukunft ändern. Ein Architekt aus Seattle berichtet, dass bereits spezielle “Roomscale-Räume” für neue Appartements und Gemeinschaftszentren angefragt werden. Dazu muss man sagen, dass gerade Seattle eine Virtual-Reality-Hochburg ist, unter anderem sitzen dort Valve und das Forschungszentrum von Oculus VR.

“Neue Häuser, die heute gebaut werden, haben mindestens zwei Garagen. Die könnte man zumindest auch zeitweise als große Roomscale-VR-Fläche verwenden. […] Davon auszugehen, dass Room-Scale-VR keine Zukunft hat, weil die aktuelle Architektur in einigen Städten den Platz nicht zulässt, scheint mir etwas engstirnig zu sein. Das Zuhause passt sich an. Die Toiletten waren früher auch außerhalb der eigenen vier Wände, jetzt sind die Rohre im Haus verlegt”, schreibt der Architekt. “Die Umgebung wird sich an Roomscale-VR anpassen. Es ist einfach so fesselnd, ein eigenes Holodeck zu haben.”

Damit widerspricht er unmittelbar dem Geschäftsführer von Take-two Interactive, Herausgeber des Verkaufsschlagers GTA, der äußerte, es sei “lächerlich zu glauben, dass US-Bürger einen Raum eigene als VR-Umgebung einrichten.”

| Featured Image: HTC