Update vom 16. April 2018:

Laut eines Berichts der Webseite TBS-News wurde Bürgermeister Hiroyuki Abe im Amt bestätigt. Tamas Oberhaupt bleibt somit menschlich. Mit Verweis auf die zahlreichen Reaktionen im Internet kündigt Matsuda einen neuen Anlauf in der Zukunft an.

Ursprünglicher Bericht vom 15. April 2018:

In der japanischen Stadt Tama finden heute Bürgermeisterwahlen statt. Eine Kandidatin ist nicht wie die anderen.

Künstlicher Intelligenz wird nachgesagt, dass sie eine Menge Jobs ersetzen wird. Bürgermeister und die, die es gerne wären, dürfte diese Prognose bislang wohl wenig beeindruckt haben, zumindest in Hinblick auf ihren eigenen Berufsstand. Bislang.

Denn in Tama geht heute eine ungewöhnliche Kandidatin an den Start: Eine Künstliche Intelligenz. Ihr Slogan: “Künstliche Intelligenz wird Tama City verändern.” Sie verspricht “faire und ausbalancierte Chancen für jedermann”. In Tama leben rund 150.000 Menschen, die Bürgermeisterwahl findet in den kommenden Stunden statt.

Natürlich steht hinter der KI ein menschlicher Kandidat: Der 44-jährige IT-Spezialist Michihito Matsuda ist es, der die Software nach seiner Amtsübernahme dazu ermächtigen will, objektivere Urteile zu fällen als ein menschlicher Bürgermeister. Es geht ihm zum Beispiel um eine faire Verteilung von Budgets oder schnellere Reaktionen auf Bürgerbegehren.

Auf seinen Wahlwerbeplakaten zeigt Matsuda konsequenterweise nicht etwa sein eigenes Konterfei, sondern das Bild einer Roboterfrau. Bei Twitter verspricht er, dass die KI-Bürgermeisterin Tama City durch “unparteiische und unvoreingenommene Entscheidungen” zu einem besseren Ort macht.

Zukunftsgewandte Gesetzesgrundlagen sollen schnell verabschiedet werden, um “die nächste Generation anzuführen”. Mitunter zeigt sich der menschliche KI-Vertreter Matsuda dann aber doch persönlich, wie er in seinem Werbebusschen in den Wahlkampf zieht.

Es ist der zweite Versuch Matsudas, Bürgermeister von Tama zu werden. Bei seinem ersten Anlauf 2014 verlor er die Wahl laut eines Berichts der in Tokio ansässigen englischsprachigen Nachrichtenseite Soranews jedoch mit deutlichem Abstand.

Immerhin hat er diesmal neben dem KI-Argument zwei populäre und wohl auch finanzstarke Unterstützer in seinem Team: Matsumoto Tetsuzo (Alter: 78) arbeitet als hochrangiger Berater beim japanischen Medienkonzern Softbank. Murakami Norio (Alter: 70) war von 2003 bis 2011 Vice President bei Google.


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