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WWW-Erfinder: Viele Menschen sind nur noch Platzhalter für Roboter

von Matthias Bastian13. Mai 2017

Die Machtübernahme der Maschinen ist für den WWW-Erfinder Tim Berners-Lee nur mehr eine Frage der Zeit. Er gibt der Menschheit 50 Jahre, um die Grundlagen für ein friedliches und soziales Miteinander im Roboterzeitalter zu schaffen.

Tim Berners-Lee ist ein bekannter Physiker, Mathematiker und der Erfinder der Programmiersprache HTML. Das macht ihn zum Begründer des World Wide Web, einer der wichtigsten technologischen Revolutionen der Menschheitsgeschichte. Auf der Dell EMC World Fachkonferenz zur Digitalisierung sprach er über die zukünftige Mensch-Maschine-Beziehung.

Laut Berners-Lee ist jeder Computer eine Form der künstlichen Intelligenz. Es sei bereits effizienter, Computer zu trainieren, statt sie zu codieren. Sie könnten eigenen Code entwickeln, um Probleme zu lösen, die in der ursprünglichen Programmierung nicht vorgesehen waren. Viele Menschen seien nur mehr Platzhalter, die Arbeit verrichten, die zukünftig von Robotern erledigt werde.

Singularität in den nächsten 50 Jahren

Die technologische Singularität soll laut Berners-Lee “sehr wahrscheinlich” in den nächsten 50 Jahren erreicht werden. Das ist der Moment, ab dem sich Maschinen so schnell selbst verbessern, dass der daraus resultierende technische Fortschritt und die gesellschaftlichen Konsequenzen unvorhersehbar sind.

Die Menschheit müsse sich auf diesen Zeitpunkt vorbereiten und Gesetze entwickeln, die den Umgang zwischen Mensch und Maschine neu beschreiben. Als Basis könnten die drei Gesetze der Robotik nach Isaac Asimov dienen, nach denen ein Roboter einen Menschen nicht verletzen darf, seinen Befehlen gehorchen muss und seine eigene Existenz nur dann verteidigen darf, wenn er dabei nicht in Konflikt mit einem Menschen gerät.

Diese Annahmen hätten allerdings einen fundamentalen Denkfehler: Computer würden nicht vollständig rational entscheiden, wenn ihre Entscheidungen auf Urteilen basieren. Diese wiederum seien notwendig, wenn die KI Konversationen mit Menschen führen soll.

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Die Super-KI ist keine attraktive Frau, sondern hockt unsichtbar in der Cloud

Humanoide Roboter wie Schwarzeneggers Terminator oder die Sci-Fi-Lady aus dem Film “Ex Machina” (siehe Titelbild) hält Berners-Lee für unwahrscheinlich. Viel wahrscheinlicher sei es, dass die Super-Intelligenz in der Cloud eines Unternehmens sitze.

“Es gibt schon jetzt Quantenintelligenz in der Cloud. Sie hat keine blauen Augen, aber sie ist sehr mächtig”, sagt Berners-Lee. Schnelle Transaktionen auf den Aktienmärkten könnten nur mehr von einer künstlichen Intelligenz erfüllt werden.

“Computer programmieren Menschen.” Tim Berners-Lee

Ein großer Teil dieses Geschäfts sei bereits in der Hand von Maschinen, die wiederum eigene Programme entwickelten, die schneller und besser arbeiten als Menschen.

“Computer trainieren schon jetzt Verkäufer, weil sie besser wissen, welche Strategien funktionieren. Das menschliche Verhalten wird von der künstlichen Intelligenz gesteuert, weil sie die Bonusse bestimmt. Computer programmieren Menschen”, sagt Berners-Lee.

Ist die künstliche Intelligenz das Schicksal der Menschheit?

Berners-Lee lässt offen, ob die künstliche Intelligenz das Ende oder einen Neubeginn für die Menschheit herbeiführt. Viele Menschen seien davon überzeugt, dass künstliche Intelligenz keine Bedrohung sei, solange die Kontrolle bei den Menschen läge.

“Aber wir können nicht davon ausgehen, dass die Menschen, die die Verantwortung tragen, die richtigen Entscheidungen treffen. Die Geschichte zeigt, dass wir menschlichen Entscheidungen nicht trauen können. Die Dystopie wird viel langweiliger als ein niedlicher Roboter, der die Welt übernimmt. Es wird ein Programm eines Unternehmens in der Cloud.”

Berners-Lee erwartet eine Mischung aus Szenarien, in denen die Super-Intelligenz entweder eine optimierte Umgebung für sich selbst kreiert und die Menschheit zerstört oder Menschen wie ein liebenswertes Haustier behandelt und sie beschützt.

“Manche Menschen glauben, dass man davor keine Angst haben muss, sondern dass es das wahre Schicksal der Menschen ist. Sie glauben, dass wir etwas erschaffen müssen, das besser ist als wir, um Probleme zu lösen, die wir nicht selbst lösen können. Dass wir diese Intelligenz kreieren müssen, um uns zu retten.”

| Via: Businessgrow | Featured Image: Ex Machina / Universal Pictures

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