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Xbox-Chef: Microsofts VR-Strategie ist auf Windows-PCs fokussiert

von Tomislav Bezmalinovic12. April 2017

Wenn es um Microsofts Strategie für Virtual Reality geht, liegt vieles noch im Dunkeln. Das betrifft nicht nur die eigene Plattform namens “Windows Mixed Reality” und die VR-Brillen, die das Redmonder Unternehmen zusammen mit Hardwarepartnern ab diesem Jahr auf den Markt bringen will. Es betrifft auch die neue Xbox-Konsole, von der man noch nicht weiß, in welcher Form sie Virtual Reality unterstützen wird. In einem langen Interview mit Gamasutra skizziert der Xbox-Chef Phil Spencer Microsofts VR-Pläne.

Spencer besitzt nach eigenen Aussagen sowohl Playstation VR als auch Oculus Rift und HTC Vive und spielt viel mit den VR-Brillen. Dennoch glaubt der Xbox-Chef, dass die Industrie sich noch in einem sehr frühen Entwicklungsstadium befindet. Das erkenne man laut Spencer daran, dass viele Titel VR-Adaptionen von Monitorspielen sind. “Wir wissen noch nicht, wie wir auf der VR-Leinwand malen müssen. Wir lernen es erst”, meint Spencer.

Der Xbox-Chef sieht im Windows-PC die ideale Plattform, um mit Virtual Reality zu experimentieren und die Sprache des neuen Mediums zu entwickeln. Spencer geht offenbar davon aus, dass Windows Mixed Reality sich zur führenden VR-Plattform entwickelt.

Weit hergeholt ist diese These nicht: Erstens ist Windows das meistverbreitete Betriebssystem der Welt, zweitens wird Microsoft noch dieses Jahr VR-Brillen auf den Markt bringen, die für den Durchschnittsverbraucher erschwinglich sind. Zudem sind die Hardwareanforderungen der Brillen so tief angesetzt, dass praktisch jeder Windows-Nutzer eine VR-Brille mit seinen Computer verwenden kann.

Damit will Microsoft den Zugang zu Virtual Reality demokratisieren. Ob die Windows-Brillen mit den Highend-Systemen von Oculus und HTC mithalten können, scheint das Unternehmen nicht zu kümmern. Microsoft überlässt diese Sorgen den Entwicklern und vertraut auf die Kreativität und Anpassungsfähigkeit des Marktes.

Als Quasi-Monopolist gegen geschlossene Plattformen?

Spencer glaubt, dass geschlossene Ökosystem Virtual Reality zurückhalten, weil sie für eine künstliche Fragmentierung des ohnehin kleinen Marktes sorgen. Entwickler sollen sich nicht für eine Plattform entscheiden müssen, da jede dieser Plattformen für sich noch zu klein ist, um den Entwickler ein Einkommen zu sichern.

“Ich vertrete einen offen, einschließenden Ansatz bezüglich Virtual Reality. Das Problem ist, dass die anderen Leute, die geschlossene Ökosysteme schaffen wollen, dies nicht mögen werden. Sie werden wahrscheinlich nicht mitmachen wollen”, sagt Spencer.

Der Xbox-Chef schießt hier offenbar gegen Oculus und Valve. Der Hololens-Projektleiter Alex Kipman sagte bereits, dass Oculus Rift und HTC Vive eingeladen seien, ihre VR-Brille für Windows Mixed Reality freizugeben. Eine Reaktion seitens Oculus, Valve oder HTC gab es bisher nicht.

Der Grund liegt nahe: Sind Besitzer von Oculus Rift und HTC Vive auf Microsofts Plattform unterwegs, werden sie ihre Anwendungen in Microsofts App Store statt bei Steam, Viveport oder im Oculus Store zu kaufen. Microsofts Einladung ist also nicht ganz frei von Eigeninteresse.

Kein Fokus auf Xbox Scorpio

Spencer lässt im Interview erkennen, dass die Xbox Scorpio in Microsofts VR-Strategie eine untergeorndete Rolle spielt. Der Fokus liegt darauf, Windows Mixed Reality zu etablieren. “Ich denke, wir sind auf Reise mit Virtual Reality, die zehn Jahre dauert und wir stehen erst am Anfang. Deshalb zögere ich, mich auf unsere Konsole als Hardware festzulegen und zu sagen, wir haben die Antwort für Virtual Reality gefunden und hier ist sie.”

Vom Standpunkt der Hardware könne man dies zwar tun, aber damit wäre die Frage danach, was Virtual Reality werden müsse, um erfolgreich zu sein, nicht beantworten. Dies sei die Domäne des Windows-PCs und damit von Windows Mixed Reality als führender VR-Entwicklungsplattform.

Dennoch bestätigt Spencer, dass die neue Xbox-Konsole Virtual Reality unterstützen werde: “Wir werden Virtual Reality auf Scorpio unterstützen, wir werden das tun, ich denke, das ist wichtig, ich denke, dass es großartige, immersive Erfahrung für Virtual Reality gibt.” Genaueres will Spencer noch nicht sagen.

“Was die Hardware betrifft, darüber werden wir noch mehr verraten. Wir haben einen Plan. Das verrate ich. Es ist nicht, dass wir nicht wissen, was wir tun; wir verraten es nur noch nicht”, sagt Spencer. Ein britischer Journalist heizte heute die Spekulationen an, als er auf Twitter behauptete, dass Microsoft für seine VR-Lösung mit AMD zusammenarbeiten werde.

| Featured Image: Good Game Pocket (Youtube-Screenshot)

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