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Zeiss stellt VR-Brille One Plus vor, neues Software-Tracking

von Matthias Bastian14. Juni 2016

Die neue Zeiss VR One Plus Smartphone-Brille bietet einen Software-basierten Ansatz für das Positional Tracking.

Die größte Neuerung der One-Plus-Brille im Vergleich zum Vorgängermodell ist die neue Universalhalterung, in die jetzt unabhängig vom Hersteller Smartphones zwischen 4,7 und 5,5 Zoll Bildschirmdiagonale eingesetzt werden können. Das Kopfband kann man, ähnlich wie bei Gear VR, optional abnehmen, auch die Schaumstoffpolsterung ist jetzt austauschbar – das hilft bei der Gesichtshygiene. Das Alleinstellungsmerkmal der Brille sind die 40mm großen Linsen, die ein besonders scharfes Bild zeichnen sollen, laut Heise aber mitunter das Bild verzerren, wenn die App nicht für die VR One-Brille optimiert wurde.

Neu ist eine ergänzende Software, die mittels 3D-SLAM-Technologie, ein Verfahren für das Echtzeitscanning, und der Smartphone-Kamera eine Form von Positional Tracking ermöglichen soll. Dafür hat Zeiss die Software der Scanning-Spezialisten von Dacuda lizensiert. Das fehlende Positionstracking ist derzeit noch die größte Schwachstelle mobiler VR-Erfahrungen, bislang wird nur die Kopfrotation erkannt, Bewegungen in die Tiefe des Raums sind nicht möglich. Die neue Software soll das ändern.

Laut Franz Troppenhagen, Produktmanager bei Zeiss, sind “mit dieser Technik alle Bewegungen im Raum in einer VR-Welt abbildbar”, ein Erlebnis, “das früher mit teuren VR-Spezialbrillen gekauft werden musste.” Mit diesen Spezialbrillen dürften HTC Vive und Oculus Rift gemeint sein, die “schon” seit März und April 2016 im Handel sind.

Das Demovideo, das Dacuda und Zeiss bereitstellen (im Video unter dem Artikel), deutet aber einige Schwächen der Trackinglösung an. Die Bewegungen werden offenbar nur rudimentär und mit Verzögerung in die virtuelle Umgebung übertragen. Was im Video noch akzeptabel aussieht, dürfte sich in der VR-Brille nicht mehr ganz so toll anfühlen. Fraglich ist auch, welche Apps von dem neuen Positional-Tracking-Feature Gebrauch machen können, die Pressemitteilung gibt dazu leider keine konkrete Auskunft. Ebenso wenig geht daraus hervor, ob die neue Zeiss-Brille Daydream-Ready ist. Die VR-Initiative wird zwar pauschal erwähnt, nicht jedoch, ob Zeiss von Google grünes Licht bekommen hat.

Die Zeiss-Brille kostet 129 Euro zuzüglich Versand, was in Relation zu Samsungs Gear-VR-Brille recht teuer ist. Allerdings läuft die Samsung-Brille auch nur mit High-End-Smartphones der Galaxy-Serie. Wer ein solches aber ohnehin schon in Besitz hat, ist mit Gear VR allein wegen der zusätzlichen Anbindung an den Oculus-Store besser bedient.

Raumtracking für mobile VR-Brillen: Eine Lösung ist noch nicht in Sicht

Zahlreiche Unternehmen forschen gerade daran, mobilen VR-Brillen mittels Computer Vision das Raumtracking beizubringen, darunter Google und Oculus VR. Obwohl bei diesen Versuchen statt der Smartphone-Kamera zusätzliche Sensoren wie 3D-Tiefenkameras eingesetzt werden, ist die Qualität der bisherigen Ergebnisse noch nicht ausreichend, um sie in ein System für Endverbraucher zu implementieren.

Zuletzt stellte Google gemeinsam mit Lenovo ein erstes Tango-Smartphone vor, das im Sommer auf den Markt kommt und zumindest ein Raumtracking beherrscht, das für Augmented-Reality-Anwendungen ausreichend flott ist – hier kommt es nicht auf eine extrem niedrige Latenz an, wie sie für Smartphone-VR notwendig ist.

| Source: Zeiss | Via: Heise