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Zu viel Immersion mit HTC Vive: Mädchen zittert vor Angst

von Matthias Bastian22. April 2016

Ein echter Virtual-Reality-Enthusiast würde sagen: “Zu viel Immersion, das gibt es nicht!” Immerhin ist die gefühlte Präsenz im virtuellen Raum ja das angestrebte Ziel. Aber das gilt ganz offensichtlich nicht für jeden Menschen – und auch sicher nicht für jede Anwendung.

Das Spielprinzip von “The Brookhaven Experiment” für HTC Vive ist denkbar simpel. Mitten in der Nacht steht man auf einer Wiese in der Kleinstadt Brookhaven. In der Hand hat man nur zwei Gegenstände – eine Taschenlampe und eine Pistole. Die 3D-Umgebung sieht man aus der Ego-Perspektive, also so, als wäre man wirklich vor Ort. Man merkt schnell – ok, hier stimmt was nicht. Dann beginnt das eigentliche Unheil: Zombies und andere unschöne Kreaturen schleichen sich aus dem Unterholz langsam auf den Spieler zu und das auch noch aus allen Richtungen gleichzeitig. Welle um Welle muss man sich seiner Haut erwehren, während die Attacken immer intensiver werden.

Der jungen Dame im Video, Renate heißt sie, setzt das Horror-Spiel sichtlich zu. Sie schreit und zittert am ganzen Leib und hat richtige Panik – das wirkt nicht geschauspielert. Trotzdem hält sie bis zum Ende der Demo durch und reißt sich die VR-Brille nicht frühzeitig vom Kopf. Respekt. Wahrscheinlich ist das das “norwegische Temperament”. Sollte jemals eine Zombie-Apokalypse über uns kommen, mit Renate an der Seite hätte man definitiv gute Chancen, ein paar Tage länger durchzuhalten. Man muss ihr nur eine Taschenlampe und eine Knarre geben – den Rest regelt sie schon.

Aber Spaß beiseite: Das Video zeigt eindrucksvoll, wie intensiv Virtual Reality wirken kann. Das gilt natürlich für schöne und anrührende Momente ebenso wie für fiese Horror-Erfahrungen. Nicht umsonst überarbeiten Jugendschützer gerade ihre Altersfreigaben für Virtual-Reality-Spiele und Sony-Boss Shu Yoshida, der mit Playstation VR im Herbst eine eigene VR-Brille ins Rennen schickt, sieht gar die Gefahr von bleibenden Traumata bei zu intensiven, negativen VR-Erfahrungen. Daher ist PSVR auch erst ab 12 Jahren freigegeben.

Für Entwickler gilt: Geht sehr vorsichtig mit den Emotionen eurer Kunden um. Was uns auf einem normalen 2D-Bildschirm nur ein müdes Lächeln abringt, kann uns in Virtual Reality zu Tode erschrecken.

Eine Demo vom “Brookhaven Experiment” für HTC Vive ist bereits bei Steam VR kostenlos verfügbar. Das fertige Spiel soll am 22. Juni 2016 erscheinen, Vorbesteller sparen 25 Prozent auf den Einkaufspreis. Aber Vorsicht: Man braucht offenbar gute Nerven.

| Featured Image: Karl&RenateVR (Screenshot bei YouTube)