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Zukunftsvision: So soll Facebooks Telepathiesystem funktionieren

von Matthias Bastian24. September 2017

In der Zukunft sollen Menschen digitale Inhalte nur mehr mit der Kraft ihrer Gedanken erstellen können. Facebook ist eines der Unternehmen, die das ermöglichen wollen.

Im vergangenen April stellte Regina Dugan, die Leiterin von Facebooks Zukunftslabor, eine weitreichende Vision vor: Über 60 Wissenschaftler des sozialen Netzwerks arbeiten an Gehirn-Computer-Interfaces, die Gehirnsteuerung ermöglichen sollen.

In der ersten Ausbaustufe sollen Menschen mittels Gehirnsignalen tippen können. Bis zu einhundert Wörter pro Minute sollen mit so einer Hirntastatur möglich sein. Ein geübter Tipper schafft mit einer herkömmlichen Tastatur circa 60 bis 70 Wörter pro Minute.

Hinzu kommt, dass man Tippen könnte, ohne dafür in der Nähe eines Bildschirms sein zu müssen. Das Smartphone dürfte dann viel häufiger in der Tasche bleiben und eher als tragbarer Computer eingesetzt werden.

Speziell in Hinblick auf die immer stärker aufkommenden KI-Assistenzsysteme wie Apples Siri, Googles KI-Assistenz oder Amazons Alexa wäre das ein Durchbruch. Denn die Hirntastatur löst ein anderes, grundlegendes Problem: Niemand spricht gerne öffentlich mit einem Computer. Auch dann nicht, wenn es der effizienteste Weg wäre, eine Aufgabe zu lösen.

Mit der Hirntastatur könnte die KI still und heimlich unseren Alltag managen und die Realität auditiv erweitern: Alles was sie dafür bräuchte, wären Ohrstöpsel, das Hirnlesegerät und eine Internetverbindung.

So soll stille Sprache technisch funktionieren

Auch wenn Facebooks Vision nach krasser Science-Fiction klingt, ist sie laut Dugan nur “einige Jahre” entfernt. Facebooks Telepathie-Projektleiter und Neurowissenschaftler Mark Chevillet ging bei einer Veranstaltung des MIT jetzt näher darauf ein, wie sie technisch realisiert werden könnte.

Das Wichtigste: Es müssen keine Sensoren im Gehirn implantiert werden, was wohl die Grundlage dafür ist, dass die Technologie überhaupt realistische Marktchancen hat.

Stattdessen experimentiert Facebook mit einem bildgebenden Verfahren, das Hirnsignale von außen erkennen kann. Die sogenannte “diffuse optische Tomografie” verwendet Infrarotlicht, um neuronale Aktivitäten durch Gewebestrukturen hindurch sichtbar zu machen. Allerdings werden mit dieser Methode die tieferliegenden Hirnschichten nicht oder mit einer zu geringen Auflösung erreicht, außerdem ist sie noch zu langsam.

Das Ziel des Hirnscannings ist es nicht, die Gedanken vollständig zu lesen, sondern gezielt Worte zu erkennen, die vom Gehirn als “sollen ausgesprochen werden” klassifiziert wurden. Also das Wort abzufangen, kurz bevor es aus dem Mund kommen würde. Als Nutzer muss man dann wohl innerlich Wort für Wort das Gespräch führen, ohne die einzelnen Wörter laut auszusprechen.

Ein Algorithmus soll die Worterkennungsrate des Hirnlesegeräts optimieren, indem er mögliche Kontexte untersucht und so aus einer Auswahl an potenziell gedachten Wörtern das passende herausgreift. Das klingt vergleichbar mit Googles automatischer Vervollständigung bei Suchanfragen – nur für das Gehirn.

| Featured Image: Symbolbild | Via: Gizmodo

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